Kimmy in der U-Bahn

10 Dinge, die ich dank Unbreakable Kimmy Schmidt gelernt habe

Oh, Netflix – das zwischen uns ist eine Hassliebe. Auf der einen Seite stiehlst du meine Zeit, auf der andere hänge ich an deinen  Lippen, äh, Serien. Besonders die Netflix-Eigenproduktionen haben es mir angetan. Better Call Saul, House of Cards, aktuell Daredevil und zuletzt eben Unbreakable Kimmy Schmidt.

Der Plot ist relativ simpel: Ein verrückter Prediger hielt vier Frauen jahrelang in einem Bunker irgendwo im Nirgendwo (aka Indiana) gefangen und redet ihnen ein, er hätte sie vor der auf der Erde wütenden Apokalypse gerettet. Die Frauen werden jedoch befreit und sind fortan als Mole Women (Maulwurfsfrauen) bekannt. Eine von ihnen, die Protagonistin Kimmy, entschließt sich, ihr neues Leben in New York zu starten. Ohne Kontakte oder einen Job ist das natürlich nicht so einfach – vor allem, wenn man den technischen Fortschritt der letzten 15 Jahre verschlafen hat und keinen blassen Schimmer hat, was ein iPhone ist.

Doch nicht nur Kimmy hat einiges gelernt, ich auch:

[red_box]Warnung: Ich bemühe mich, aber dieser Text könnte dennoch Spoiler beinhalten. Wenn es dir wichtig ist, die Serie absolut spoilerfrei zu sehen, solltest du jetzt besser den Tab schließen.[/red_box]

    1. Der Friends-Brunnen steht gar nicht im Central Park.
    2. Jeder Apple-Jünger kauft sich das neueste iPhone-Modell direkt am Einführungstag, da die „veralteten“ Handys über eine Selbstzerstörungsfunktion verfügen und an diesem Tag explodieren.
    3. Jesus‘ Bruder hieß Terry.
    4. Kimmy heißt auf Vietnamesisch Penis [Naja, laut Wörterbuch heißt Penis „chim“ oder „dương vật“, aber „kimmy“ ist möglicherweise umgangssprachlich?! Siehe auch die Diskussion auf Reddit]
    5. Als Werwolf lebt es sich besser als als Schwarzer.
    6. Eine Menge Dinge reimen sich auf „Peeno Noir“

  1. Wenn man jahrelang in einem Bunker eingesperrt ist, kann man sich mit unsichtbarem Tennis prima die Zeit vertreiben.
  2. Man kann jede Problemzone des Körpers weglasern lassen. Wirklich jede.
  3. Ein seniler Sugardaddy ersetzt keinen Therapeuten.
  4. Ein britischer Akzent macht jede Person um 100% attraktiver (okay, vielleicht wussten wir das vorher schon) und jede schlechte Neuigkeit erträglich.

Und mein persönliches Learning Nummer 11: Ein wahnsinnig hartnäckiger Ohrwurm der Titelmusik rechtfertigt es, die Staffel einer Serie zu Ende zu gucken, auch wenn man die naive Hauptperson erstmal blöd findet.

Ganz ehrlich: So super optimistische, blauäugige, mir-scheint-die-Sonne-aus-dem-A…-Hauptpersonen kann ich in keiner Story leiden. Klar, aus Kimmys Unwissenheit ergeben sich viele witzige Stellen, aber ihre grenzenlos positive Einstellung ging mir erstmal auf die Nerven. Ihre erste Handlung in New York ist der Kauf von pinken Glitzerschuhen mit Leuchtfunktion. What?!

Kimmy ist entsetzt
Mein Gesichtsausdruck, jedes Mal wenn Kimmy etwas Dummes tut oder sagt

Deshalb war für mich nach der ersten Folge klar: Nö, das schau ich nicht weiter. Warum ich dann doch die komplette Staffel innerhalb weniger Tage geguckt habe? Der Ohrwurm-Titelsong trägt definitiv eine Mitschuld! Ansonsten sind es vor allem die grandiosen Nebenfiguren, deretwegen ich Fan der Serie geworden bin: der aufgrund seiner Sexualität und seiner Hautfarbe gleich doppelt diskriminierte Mitbewohner Titus, der von einer Karriere als Sänger am Broadway träumt, die kriminelle Vermieterin Lillian und Mrs. Voorhes, Kimmys labile Arbeitgeberin.

Titus Andromedon
Titus, du Sahneschnitte!

Meine Lieblingsszene ist übrigens ganz zu Beginn von Folge Fünf, in der Kimmy das Cat Calling eines Bauarbeiters nicht versteht und ihn durch pure Freundlichkeit zur Einsicht und Entschuldigung bringt. Diese Stelle zeigt perfekt, dass die Komik in Unbreakable nicht ausschließlich durch Kimmys Naivität erzeugt wird, sondern diverse aktuelle Themen miteinschließt, in diesem Fall Street Harassment.

Wenn man nach „Kimmy Schmidt Dong“ googlet, findet man übrigens ein paar englischsprachige Blogartikel, die sich kritisch mit Unbreakable Kimmy Schmidt auseinandersetzen und der Serie Rassismus unterstellen. Die Serie zeige zwar Menschen unterschiedlicher Herkunft und spiele mit Klischees, allerdings sei insbesondere die asiatische Figur des „Dong“ ein wandelndes Stereotyp: ein mathebegabter Streber, schlecht in Englisch, arbeitet bei einem Asia-Imbiss… You get it. Ich persönlich könnte mir aber vorstellen, dass die MacherInnen der Serie (u.a. Tina Fey) diesen Charakter mit Absicht so angelegt haben. Wer Unbreakable schon gesehen hat, kann mir ja gern seine Meinung zu dem Thema da lassen.

Abgesehen von diesem vermeintlichen Rassismusproblem ist Unbreakable Kimmy Schmidt eine absolut sehenswerte und witzige Serie – wer Netflix hat, sollte unbedingt mal reinklicken!

unbreakable_kimmy_schmidt4
Kimmy versteht die Welt nicht mehr: “You bitch!” – “A female dog? The thing that makes puppies? Nice compliment!”
 Alle Screenshots via Netflix.com

4 Kommentare

  1. Ich fand die Serie auch super & habe sie fast in einem Rutsch durchgeschaut. Comedy lebt auch von Vereinfachungen & Stereotypen, was nicht als Freifahrtsschein gemeint ist. Die Kritik ist richtig & wichtig. Aber Humor muss man auch haben, wenn man an das ganze Anfangssetup der Serie & z.B. die Entführungen von Cleveland denkt. Ich denke, dass es sich eher um bewusste Entscheidungen handelt, Tina Fey & Freundin Amy Poehler stehen ja sonst eher nicht im Verdacht gedankenlos mit Feminismus & Diskrimierung umzugehen.

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  2. Ich habe die ersten drei, vier Folgen gesehen, aber so richtig mitgerissen hat es mich nicht. Ich finde eigentlich Kimmy sogar noch erträglicher als die anderen. ;) Ich verstehe das Überzogene auch eher als Ironie und Satire denn als Rassismus (den Asiaten habe ich aber noch gar nicht gesehen), aber mir ist das alles zu amerikanisch. Ich stehe wohl doch eher auf britischen Humor. Schade, ich hätte nämlich gerne neben „Daredevil“ (vier Folgen gesehen, bisher ein klares Like) auch mal etwas Kurzes, Leichtes und die erste Folge von „Derrik“ gefiel mir auch nicht so besonders. :p
    Den Titelsong finde ich übrigens doof. Wir scheinen genau gegensätzlich die Teile der Serie zu mögen bzw. nicht zu mögen. ;)

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  3. Netflix… ja… eine gute Sache.
    Also ich hab erst „Orange is the new Black“ durch und häng gerade über „House of Cards“.

    Ich weiß nicht, aber auch das was du über die Serie hier schreibst, veranlasst mich nicht sie anzugucken. Ich weiß nicht, werd mit diesen „Komödien“/“Sitcoms“ nicht warm.

    Auch „The big bang theory“ oder „How I met your Mother“ zogen an mir vorbei…

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