Die neuen Langzeitstudenten

Die Regelstudienzeit für geisteswissenschaftliche Bachelorstudiengänge liegt bei sechs Semestern. Doch drei Jahre reichen nicht, um wertvolle Berufspraxis zu sammeln. Immer mehr Studierende müssen die Regelstudienzeit überschreiten, um den Einstieg in die Arbeitswelt zu schaffen.

 

Der typische Langzeitstudent wählt grün, engagiert sich im AStA und fährt oft Fahrrad. Die Abende verbringt er in verrauchten Bars oder WG-Küchen, bei philosophischen Diskussionen mit seinen Freunden. Das Seminar morgens um elf lässt er sausen. Viel zu früh! Er hat sich eh kürzlich überlegt, das Fach zu wechseln – nochmal.

Dieses Klischeebild eines Langzeitstudenten stammt aus der Zeit vor der Bologna-Reform. Die Studenten von heute studieren auf Bachelor statt Magister. Das Studium ist verschulter, die Flexibilität von damals fehlt. Anstelle von Scheinen sammelt man jetzt ECTS-Punkte. 180 sind es in der Regel bis zum Bachelorabschluss, 30 pro Semester. Laut einer Pressemitteilung des statistischen Bundesamtes schafften es im Prüfungsjahr 2012 jedoch nur knapp 40 Prozent der Studierenden, ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit abzuschließen. Die Gründe sind vielfältig: zeitintensive Nebenjobs, chronische Krankheiten oder Behinderungen, familiäre Verpflichtungen.

Doch ein Teil der Studierenden entscheidet sich bewusst, das Studium in die Länge zu ziehen: Sie nutzen die Zeit nicht zum Feiern und Ausschlafen, sondern für Praktika und Auslandsaufenthalte. Diese sind notwendig, um den Berufseinstieg in den besonders bei Geisteswissenschaftlern beliebten Branchen, etwa im Medien- und Verlagswesen, zu schaffen. Während es für Medizin- oder Informatikstudenten klar umrissene Berufsfelder gibt, müssen Studierende in Geistes- und Sozialwissenschaften erst „ihr Konzept für den Arbeitsmarkt finden“, wie es der Diplom-Pädagoge und Studienberater Klaus Heinrich ausdrückt, und die dafür nötigen Qualifikationen erwerben. „An der Uni wird nicht vermittelt, in welche Arbeitsform man passt.“ Es liegt an den Studierenden, mögliche Berufe zu erkunden und sich zu positionieren.

Judith S., 24, hat ihre Nische gefunden. Sie studiert Geschichte und Soziologie im mittlerweile neunten Bachelor-Semester. Zu Beginn des Studiums interessierte … [mehr lesen]


[grey_box]Sorry für den fiesen Cliffhanger! Den kompletten Artikel gibt es beim Panoktikum zu lesen. Dort veröffentliche ich gemeinsam mit sechs KommilitonInnen Werkstücke aus unserem Medienwissenschafts-Studium und andere Texte. (Mehr zur Entstehung des Panoktikums)

Dieses Feature entstand im Wintersemester 2014/2015 im Rahmen der Lehrredaktion Print unter der Leitung von Hanne Detel (Uni Tübingen) und Martin U. Müller (DER SPIEGEL). So, und weil du bis zum Ende gelesen hast, verrate ich dir jetzt noch ein Geheimnis: Mein Feature wurde als das Beste gelobt. (Man darf auch mal stolz auf sich sein, oder?)[/grey_box]


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2 Kommentare

  1. Hi, habs zu Ende gelesen. Wirklich gut geschrieben. Mein Bachelorstudiengang hat eine Regelstudienzeit von 7 Semestern, es ist aber auch eine Uni für Berufstätige. Ich werde es auch nicht schaffen neben meinem Beruf mal eben so die Abschlussarbeit zu schreiben. Da muss ich sicherlich meine Arbeitszeit verkürzen, um bei den 7 Semestern zu bleiben.

    Mein Freund hat Wirtschaftsinformatik studiert und 9 Semester gebraucht. Vorher hatte er eine Ausbildung gemacht. Er hat nicht einmal einen Monat gebraucht, bis er eine Stelle hatte. Liegt sicherlich am Fach.

    Wenn ich jetzt Stellenanzeigen lese, wundere ich mich über die Anforderungsprofile. Gibts Menschen, die das alles können? Abgeschlossenes Studium ist da noch das einfachste. Man muss programmieren können, obwohl es ein Marketing Job ist und natürlich im speziellen Bereich schon 4 (vier!) Jahre Berufserfahrung haben, fließend Englisch und eine weitere Fremdsprache sprechen und und und …

    Natürlich sollte man als Frau auch nicht zu alt sein, sonst stellt uns keiner ein, weil gedacht wird, wir würden direkt schwanger werden.

    Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man in Deutschland die Leute nicht mehr selbst im Unternehmen einarbeiten und ausbilden will, nein sie sollen sich perfekt ausgebildet auf dem Markt tummeln und vom ersten Tag an alles können.

    Wenn Fachkräftemangel bedeutet, dass zu wenig Menschen die utopischen Stellenprofile erfüllen, dann haben wir einen. Wir haben aber nicht zu wenig Leute, die studiert haben und einen passenden Job suchen.

    LG Myriam

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    1. Liebe Myriam, danke für deinen Kommentar.
      Stimmt, die Anforderungen sind wirklich übertrieben! Man sagt ja, dass man sich ruhig bewerben soll, auch wenn man nicht alle Punkte in der Stellenanzeige erfüllt. Dennoch scheint es wirklich so, wie du sagst, als ob der ideale Bewerber schon perfekt für die Stelle ausgebildet sein sollte, damit er gar nicht mehr eingearbeitet werden muss. Liebe Grüße!

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