Eine Geschichte über Flüchtlinge, deutsche Bürokratie und neue Herausforderungen

Seit vier Monaten wohne ich in Horb am Neckar, einem Städtchen am Rande des Schwarzwaldes. Seit drei Monaten leben hier auch knapp 50 Flüchtlinge. Sie wurden in einer ehemaligen Grundschule in Talheim untergebracht, einem der vielen verstreut liegenden Ortsteile von Horb. Es ist das erste Mal, dass Horb als Flüchtlingsunterkunft ausgewählt wurde. Medienberichten zufolge lief die Ankunft chaotisch [1], wenige Tage später wurde ein Arbeitskreises Asyl gegründet [2].

Als ich in der Online-Ausgabe der Lokalzeitung Schwarzwälder Bote davon las, rief ich spontan bei der Stadt an und bot meine Hilfe an. Schließlich bin ich mit meinem Bachelorabschluss und der Akkreditierung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache. Theoretisch dürfte ich die sogenannten Integrationskurse leiten. Ich plane zwar im Moment nicht, hauptberuflich als Deutschlehrerin zu arbeiten, aber ich würde durchaus gerne ehrenamtlich beim Sprachunterricht für die Flüchtlinge helfen.

Die Stadt-Mitarbeiterin fand das am Telefon ganz wunderbar und versprach, das bei der nächsten Sitzung des Asylarbeitskreises zu besprechen. Und ich hörte nie wieder etwas von ihr.

Vor ein paar Wochen fragte ich deshalb per Mail nach, ob es etwas Neues gebe – die Antwort, sinngemäß: Die Flüchtlinge stammen aus Serbien und dem Kosovo, ihr Asylantrag wird höchstwahrscheinlich abgelehnt. Zwischen den Zeilen heißt das: Es lohnt sich nicht, diesen Menschen einen Sprachkurs anzubieten.

Man muss dazu sagen, dass die Flüchtlinge ursprünglich nur für sechs bis acht Wochen in Talheim untergebracht werden sollten. Zum Zeitpunkt der Mail waren die acht Wochen schon vorstrichen, mittlerweile wurden diese Zeitpläne aufgrund der großen Menge an Flüchtlingen verworfen [3].

Wie lange die Familien in Horb bleiben, ist also ungewiss. Ich verstehe, dass bei der Versorgung Prioritäten gesetzt werden müssen: Ein warmes Dach über dem Kopf und medizinische Behandlung sind sicher wichtiger als Sprachkenntnisse. Dennoch muss man sich mal kurz klar machen, dass diese Leute jetzt schon seit Ende Oktober in einem kleinen Kaff hocken, wo der Bus nur alle zwei Stunden durchs Dorf fährt, wo die Fahrt zum Supermarkt eine kleine Weltreise darstellt, wo es nur sehr wenige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung gibt. Sprachunterricht würde den Menschen a) eine sinnvolle Beschäftigung geben und b) den Kontakt zu den Dorfbewohnern ermöglichen.

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration“

Aber anscheinend legt man darauf nicht so viel Wert. Sind ja eh bald wieder weg, gell?

Ich wollte wissen, wie der aktuelle Stand ist, und habe auf der Homepage der Lokalzeitung Schwarzwälder Bote gestöbert. Zwischen Neuigkeiten zum Kirchenchor, dem geplanten Einkaufszentrum und der bald anstehenden Fasnet sehe ich folgende Schlagzeilen: Im Arbeitskreis Asyl droht eine Krise [4] (16.01.2015), Eltern wehren sich gegen Flüchtlinge [5] (26.01.) und Flüchtlings-Unterkunft in Talheim: Gegenwehr der Eltern hat Erfolg [6] (27.01.). Oha. Starker Tobak. Was ist da los?

Anscheinend herrscht Chaos. Die Helfer vor Ort sind überfordert, der Asylarbeitskreis der Stadt tue angeblich nichts. Eine leer stehende Arztpraxis soll als Unterkunft genutzt werden, doch es gibt Widerstand. Eltern wollen nicht, dass Flüchtlinge in der Nähe der Schule ihrer Kinder untergebracht sind – man „fürchtet Probleme“.

[grey_box] Ich muss hier kurz anmerken, dass ich die ganze Zeit dieselbe Quelle zitiere, den Schwarzwälder Boten, und die Wissenschaftlerin in mir deswegen grummelt. Doch außer meinen Telefonaten und E-Mails steht mir sonst keine Quelle zur Verfügung. Es gibt online keine Informationen über aktuelle Tätigkeiten des Asylarbeitskreises, und die andere Lokalzeitung (Neckar-Chronik) ist zum Teil kostenpflichtig. [/grey_box]

Einige Aussagen in diesem Artikel hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. „Man darf durchaus politisch die Forderung stellen, dass in die neue Unterkunft […] keine Wirtschaftsflüchtlinge kommen, sondern echte Kriegsflüchtlinge.“ [5] Wer genau das gesagt hat, lässt der Schwarzwälder Bote offen. Ich kann natürlich nicht nachprüfen, ob das Zitat korrekt ist. Aber wenn ja, heißt das sinngemäß: Wir wollen richtige Flüchtlinge. Wir wollen welche aus Syrien, oder Afghanistan. Solche, die vor dem Krieg fliehen. Die aktuellen Flüchtlinge sind bloß Wirtschaftsflüchtinge. Wirtschaftsflüchtlinge! Das Wort hat so einen PEGIDA-Nachgeschmack.

In der konkurrierenden Lokalzeitung, der Neckar-Chronik, hat eine Familie geschildert [7], was sie nach Deutschland getrieben hat: Die Mutter wurde vor den Augen ihrer Söhne vergewaltigt, die Familie bedroht und um 50.000€ erpresst.

Das sind also die schlechten Flüchtlinge? Die nur nach Deutschland kommen, um Geld vom Staat zu kassieren? Ja, sieht auf jeden Fall sehr gemütlich aus in der alten Schule. Man teilt sich ein Klassenzimmer mit zwei anderen Familien und schläft auf Feldbetten. Luxusleben made in Germany.

Selbst der Oberbürgermeister Peter Rosenberger soll gesagt haben: „eine Durchmischung der verschiedensten Flüchtlingsströme [würde] eine Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen […], da selbstverständlich einem Kriegsflüchtling sehr gerne geholfen wird.“ [6]

Stellt euch mal vor, ich würde an ein Behindertenhilfswerk spenden und sagen „Hey, die Spende soll aber lieber den richtigen Behinderten zu Gute kommen. Solchen, die im Rollstuhl sitzen, oder denen ein Bein fehlt. Nicht jemandem, der hörbehindert ist. Der kann ja fast ganz normal leben.“ Da wär der Shitstorm vorprogrammiert, oder?!

Vielleicht bin ich ja einfach naiv, aber ich finde das befremdlich. Da sind Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und jetzt seit Wochen und Monaten in irgendwelchen provisorischen Flüchtlingsunterkünften mit null Komfort hocken; und statt dass man ihnen auf einer menschlichen Ebene begegnet, wird nur rumgelabert. Ich lese in der Zeitung, dass die Helfer überfordert sein, dabei habe ich meine Hilfe schon vor Wochen angeboten und keiner kommt darauf zurück. In Horb leben so viele Menschen mit vielen verschiedenen Fähigkeiten, Kenntnissen und Ressourcen. Darunter sind mit Sicherheit einige, die sich ebenfalls einbringen würden – wenn klar kommuniziert werden würde, wo’s brennt.

Ich habe heute mit dem Ortsvorsteher Talheims telefoniert. Wenn alles klappt, starte ich gemeinsam mit einer anderen Frau ab Ende Februar einen Sprachkurs für die zwanzig Erwachsenen. Ich weiß nicht, ob das funktioniert. Ich weiß nicht, welche Ausstattung ich dort habe, wie hoch das Budget für Unterrichtsmaterialien ist, und wie die Leute das Angebot annehmen.

Gerade bin ich hochmotiviert und recherchiere nach geeigneten Lehrbüchern, war heute deswegen in der Tübinger Universitätsbibliothek und im Seminar für Lehrerbildung. Aber vielleicht geht auch alles in die Hose. Es ist eine Herausforderung. Man muss es versuchen.

Quellen:

  • [1] http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.horb-a-n-fluechtlinge-nach-ankunft-in-talheim-hungrig-und-ratlos.540945d4-ae15-46b2-a2f9-2c4696f7347b.html
  • [2] http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.horb-a-n-arbeitskreis-asyl-nimmt-arbeit-auf.26536ed4-e8ed-485f-9ed0-fc12a9135bab.html
  • [3] http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.freudenstadt-lange-odyssee-bis-zum-asylantrag.e4a00131-7031-474e-b1e1-2bc2937de1e5.html
  • [4] http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.horb-im-arbeitskreis-asyl-droht-eine-krise.792da5b0-f63b-4353-9eca-4dff4ccd23b5.html
  • [5] http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.horb-a-n-eltern-wehren-sich-gegen-fluechtlinge.4981ad14-9b6b-45db-a71f-388fe7e279f1.html
  • [6] http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.horb-a-n-fluechtlings-unterkunft-in-talheim-gegenwehr-der-eltern-hat-erfolg.2c86f1e5-2a7a-4f81-ba18-60b40c1d07e9.html
  • [7] http://www.neckar-chronik.de/Home/nachrichten/nachrichten-horb_artikel,-Eine-Fluechtlingsfamilie-erzaehlt-warum-sie-ihre-Heimat-verliess-_arid,288522.html

20 Kommentare

  1. Ich finde deinen Artikel super, vielen Dank dafür. Ich finde es erschreckend, dass unterschieden wird zwischen „guten“ und „schlechten“ Flüchtlingen. Das Wort sagt es ja schon aus – Flüchtlinge. Menschen auf der Flucht. Wie kann man bei sowas etwas anderes wollen als zu helfen…ich würde auch gerne meine Hilfe bei sowas anbieten, aber ich glaube, hier in der Nähe wurden keine aufgenommen, aber ich höre mich immer mal wieder um..
    Liebste Grüße,
    Tara :)

    wwww.fashionlunch.de

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    1. Dankeschön liebe Tara. Ja, diese „Wohlstandsflüchtlinge“-Argumentation ist echt beknackt. Leute, die das sagen, stellen sich wahrscheinlich vor, dass jede Flüchtlingsfamilie eine vollausgestattete 100qm-Wohnung in bester Lage zugewiesen bekommt… Die sollen erstmal drei Monate auf Feldbetten nächtigen und sich in einem Duschcontainer waschen. Find ich super von dir! Du wohnst im Sauerland, oder? Ich weiß, dass in Wickede-Wimbern ganz viele untergebracht wurden. Liebe Grüße!

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    1. Dankeschön Susan! Ich hoffe natürlich, dass das alles so klappt und ich dann mal einen Blogpost über witzige Anekdoten mit „meinen“ Schülern schreiben kann.

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  2. Ich finde deinen Artikel und dein Engagement ebenfalls super und wünsche dir viel Erfolg für den Sprachkurs! Ich bin sicher die Flüchtlinge werden sich darüber freuen :) Ich mache gerade selbst ein Praktikum in einer Stadtbibliothek in der auch Integrationskurse stattfinden. Und die Teilnehmer sind alle sehr freundlich und wirken motiviert :)

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    1. Dankeschön! Ja, ich war schon in verschiedenen „normalen“ Sprachkursen und da waren die Teilnehmer immer super nett und motiviert.

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  3. Toller Beitrag! Und natürlich auch dein Beitrag dazu, den Menschen zu helfen. Ich hasse das Wort Flüchtlinge auch so schon, aber noch mehr hasse ich die spezifischen Unterteilungen dieses Wortes. Ich bin froh, dass ich nicht in einem Kuhdorf lebe, auch wenn es bestimmt einige Vorteile mit sich bringt. Aber oft habe ich das Gefühl, dass viele Menschen von dort (und natürlich auch in Städten) dieses Schubladendenken lieben.

    Ich finde es übrigens auch toll, dass du dich so daran gehängt hast. Ich hätte mich schon alleine durch die lange Wartezeit einschüchtern lassen…

    Liebst,
    Mira

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    1. Hey Mira, danke! Ich habe mich gefragt, ob das ehrenamtliche Engagement der Dorfbewohner wirklich höher wär, wenn das jetzt Leute aus Syrien oder sonstigen „akuten“ Krisengebieten wären. Hätten sie dann einen roten Teppich ausgerollt…?!

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  4. Ich finde es wirklich schlimm, wie die Leute behandelt werden! Und echt gut, wie du dich engagierst. Ich kann ja verstehen, wenn Geld für diverse Sachen fehlt, aber wenn du dich ehrenamtlich engagieren willst und die kommen nicht darauf zurück, das verstehe ich auch nicht. Es wäre toll, wenn du dann von deinen Erfahrungen berichten würdest :)

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    1. Hey Leeri, dankeschön. Ja, ich hoffe, dass ich bald Positiveres aus Horb berichten kann!

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  5. Das ist doch echt bescheuert. Die Eltern sind ja sowas von dumm. Sie fürchten Probleme? Ich könnte sie ja verstehen, wenn ein Serienmörder oder Vergewaltiger in ihre Nähe ziehen würde. Aber Flüchlinge? Wie kann man nur derartige Vorurteile haben.

    Ich wünsche dir viel Erfolg und hoffe, dass alles gut geht! Auch wenn diese Menschen nicht für immer hier bleiben sollen, ist es für alle besser, wenn sie sich integrieren und die Sprache lernen :)

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    1. Hey Alex, jap bei der Argumentation konnte ich auch nur lachen. Pass auf: Es kam wohl mal bei den aktuellen Flüchtlingen zu Streitigkeiten, und die Polizei war da. Wenn das am neuen Standort auch passiert, und der Polizeiwagen kommt, dann werden die Grundschulkinder TRAUMATISIERT. Zeig mir bitte ein einziges Grundschulkind, das es nicht cool finden würde, wenn es einen Polizeiwagen aus nächster Nähe sehen würde, sondern traumatisierend…

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      1. Ich kenne es nur so, dass die Flüchtlings-Kinder bereits durch die Polizei traumatisiert sind. :( Ebenso vom Feueralarm! Und sogar schreiend vor einer Heißklebepistole weg laufen.

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  6. Wow -.- Ich drücke Dir die Daumen, dass Du Erfolg hast mit Deiner ehrenamtlichen Arbeit und dass die Leute irgendwann blicken, dass Flüchtlinge halt nicht automatisch Probleme bedeuten.
    Ich kenn die Gegend (und den SchwaBo) doch recht gut. Bin auch in einem kleinen Dorf ca 30km weiter aufgewachsen, und da gilt halt wirklich: Was der Bauer net kennt, frisst er net.
    Hoffe einfach, dass sich in den ländlichen Gegenden diese Einstellung irgendwann ändert.
    LG

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  7. Liebe Kato,
    ich habe leider ähnliche Erfahrungen gemacht, wie du sie am Anfang beschrieben hast. In dem Asylheim hier kann man ehrenamtliche Patenschaften für Flüchtliche übernehmen – man begleitet sie also z.B. zu Ämtern oder geht mit ihnen einkaufen oder macht einfach nur einen Spaziergang. Finde ich eine super Idee – wenn das denn auch funktionieren würde. Als ich dort angefragt habe (2x per Mail, 3x per Telefon) habe ich nie irgendeine Antwort bekommen. Ich finde es so schade, wenn gute Ideen an dem Widerstand einzelner oder Verwaltungsmist scheitern.
    Was du danach beschrieben hast, hat mich einfach nur wütend gemacht. Als würde man aus seinem Land fliegen, wenn man nicht unbedingt müsste…
    Jedenfalls ein super Beitrag! Liebe Grüße, Isa

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  8. Toller Artikel
    Ich komme aus Solingen in NRW. Und auch wir haben vor einigen Monaten Flüchtlinge in der Stadt aufgenommen. Diese leben glaube ich in der Jugendherberge Solingen-Gräfraht. Über Internet wurde um Spenden gebeten in Form von Spielzeugen, Kleidung und so weiter. Aber was noch alles mit den Menschen gemacht wird weiß ich leider nicht. Es gibt kaum Informationen darüber. Was ich aber weiß ist, dass es auch viele Gegenstimmen gegeben hat und viele nicht damit einverstanden waren, dass Flüchtlinge in der Stadt aufgenommen wurden. Ich verstehe nicht wo da die Probleme liegen. Es sind doch genau so Menschen wie wir auch, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und keine Schwerverbrecher.
    Aber was soll man machen. Alleine kann man nichts gegen die Leute ausrichten, die darüber am meckern sind, dass man versucht Menschen zu helfen. Super, dass du mit dem Bericht versuchst andere auf das Schicksal der Flüchtlinge aufmerksam zu machen.

    Liebe Grüße

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  9. Hej Kato!
    Danke für diesen engagierten und wichtigen Artikel. Ich habe, als ich mich vor ein paar Monaten mit der Migrationsbeauftragten meiner Stadt in Verbindung setzte, ähnliches erlebt.
    Umso besser, dass du dran geblieben bist! Ich habe mich gefreut, in deinem Artikel einen Beitrag zu den aktuell laufenden Debatten um Flüchtlinge/Migranten/Wirtschaftseinwanderer (?!) zu finden, der eine ganz konkrete, kleine und trotzdem sehr, sehr relevante Perspektive aufzeigt. Es sollte mehr Menschen geben, die, bevor sie sich Gedanken um mögliche Bedrohungen, Stereotypisierungen und Schubladendenken machen, einfach den Menschen hinter der Debatte und hinter dem Begriff „Flüchtling/Migrant/Wirtschaftseinwanderer“ sehen.
    Meine ganze Anerkennung und herzlichsten Dank dafür. Daumen hoch!

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  10. Hallo Kato,

    ich habe mir deine Artikel über die Asylbewerber in Talheim durchgelesen. Als angehende Deutschlehrerin verstehe ich nicht, wie man sich so von einer Tageszeitung einnehmen lässt und Informationen ungeprüft übernimmt. Du sagst zwar selbst, dass die Wissenschaftlerin in dir deswegen grummelt, aber das bringt dich nicht davon ab, alle Infos einfach zu übernehmen.

    Für den Schwarzwälder Boten schreibt sehr häufig ein freier Mitarbeiter, der vom Boulevard kommt (die bekannten Zeitung mit den bunten Bildern und Großbuchstaben – die du selbst in deinem Blog schon zitiert hast). Ich bin selbst im Arbeitskreis Asyl in Horb tätig und kann dir sagen, dass der Schwarzwälder Bote mit seinen Artikeln rund um das Thema Asyl offenbar versucht Stimmung zu machen. Denn das angeblich herrschende Chaos und die überforderten Helfer vor Ort sowie den untätigen Arbeitskreis Asyl gibt es so nicht. Sicherlich funktioniert nicht immer alles reibungslos – aber alle Beteiligten sind engagiert und helfen, wo sie können.

    Deshalb ein gut gemeinter Rat: Zitiere nicht immer aus einer teilweise fragwürdigen Quelle, sondern bilde dir deine eigene Meinung, in dem du beispielsweise mal mit unserem Ortsvorsteher aus Talheim sprichst.

    Grüße Nanja

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    1. Hallo Nanja,
      danke für deinen Kommentar.

      Wie du auch zitiert hast, ist mir bewusst, dass man nicht nur aus einer Quelle zitieren sollte – allerdings gibt es (a) nicht viele Alternativquellen und (b) wohne ich, wie erwähnt, erst seit kurzem in dieser Stadt und verfüge deshalb nicht über solche Insiderinformationen wie du (oder Andere, die hier schon länger leben). Der Hintergrund dieses Journalisten ist auf jeden Fall interessant, danke für die Info.
      Ich bin zwar selber auf den teilweise etwas unsachlichen Ton der Zeitung aufmerksam geworden, allerdings sollte man sich ja darauf verlassen können, dass eine große Lokalzeitung ansatzweise neutral berichtet und Beweise dafür hat, wenn sie zum Beispiel von einem „Chaos“ spricht.
      Davon abgesehen stütze ich mich nicht nur auf die Berichterstattung des Schwarzwälder Boten, sondern auch auf meine eigenen Erfahrungen. Und die fremdenfeindlichen Bürgerstimmen kann der Bote auch nicht alle erfunden haben, weil man auf Facebook genug negative Kommentare von Anwohnern lesen kann.

      Mit dem Ortsvorsteher habe ich gesprochen, und ich war vergangene Woche in Talheim, um mir so gut wie möglich und so unabhängig wie möglich eine Meinung bilden zu können. Und die Vermutungen, die ich hatte, haben sich dort bestätigt.

      Ich wollte übrigens mit meinem Artikel nicht sagen „Der Asylarbeitskreis Horb ist scheiße“ – und ich hoffe, dass das nicht so rübergekommen ist. Und auch wenn der Schwarzwälder Bote eine Falschmeldung verbreitet hat und es keine Überforderung gibt: irgendwas ist da ja trotzdem falsch gelaufen, wenn man Leuten, die sich als freiwillige Helfer meldet, monatelang keine Rückmeldung gibt. (Ich gehe an dieser Stelle einfach mal davon aus, dass sich außer mir bestimmt noch andere Anwohner gemeldet haben)
      Grundsätzlich finde ich es natürlich super, dass sich Anwohner um die Leute kümmern, sie zu Arztterminen begleiten oder den Kindern bei den Hausaufgaben helfen. Aber meiner Meinung nach sollte man die Erwachsenen nicht vergessen.

      Viele Grüße
      Kato

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