Island – ein Geheimtipp (Teil 1)

Ein Auslandsaufenthalt auf einer abgeschotteten Insel mitten im Atlantik nah am Polarkreis, wo regelmäßig Vulkane ausbrechen, die Leute eine merkwürdige Sprache sprechen und an Elfen und Trolle glauben? Das klingt im ersten Moment zugegebenermaßen etwas verrückt – ein Auslandssemester oder –praktikum auf Island kann aber eine wundervolle Erfahrung sein!

Ich war Anfang 2013 für ein Auslandspraktikum in Reykjavík, der Hauptstadt Islands und kann dieses tolle Land nur wärmstens weiterempfehlen :)

Du planst eh ein Auslandssemester? Dann schau dir doch mal Länder abseits der üblichen Verdächtigen wie Spanien oder Frankreich an.

Ich weiß, dass z.B. die Universität Tübingen enge Kontakte nach Island pflegt. Ansonsten gibt es ja noch die Möglichkeit, als Free Mover ins Ausland zu gehen oder einfach ein Auslandspraktikum zu machen. Ich habe meine Stelle über eine einfache Email-Bewerbung bekommen, und ich glaube, dass auch meine Mitbewohnerin, die in einem Museum gearbeitet hat, so an ihr Praktikum kam. Einen Link zu einer Praktikumsbörse o.ä. hab ich leider nicht – ich würde vorschlagen, dass du interessante Firmen, Institutionen oder Leute einfach mal anschreiben kannst.  

Reiseberichte zu Island, der tollen Landschaft und dem Klima gibt es zuhauf im Netz – ich möchte euch an dieser Stelle ein paar persönliche Tipps und Erfahrungen mitgeben, wenn ihr einen Aufenthalt in Island plant.

(In diesem Artikel beziehe ich mich auf Reykjavík, da ich dort die meiste Zeit verbracht habe. In Reykjavík sind die größte Universität des Landes (Háskóli Íslands) sowie die (private) Universität Reykjavík angesiedelt. Es gibt fünf weitere Universitäten und Hochschulen.)

 

Ausrüstung

Du hast eine Zusage für dein Auslandsabenteuer? Yay! Bitte bitte bitte lauf NICHT in den Backpacker-Store und rüste dich von Kopf bis Fuß mit Wanderstiefeln, Allwetterjacke, Fleecepullover und was-weiß-ich-was aus. Das ist nicht nötig, echt nicht! Im Gegenteil, die deutschen Touristen konnte ich an ihrer Jack Wolfskin oder The North Face-Uniform schon aus 100 Metern Entfernung entdecken. Island klingt kalt, ja, und das Wetter ist oft unbeständig, stimmt,  aber die normalen Isländer meistern ihren Alltag auch wundervoll in normaler Kleidung. Mit einer leichten Regenjacke und/oder einem stabilen Schirmbist du  gegen den häufigen Regen gewappnet. keineWanderschuhenotwendigEin Lagen- oder Zwiebellook ist praktisch, falls die Sonne plötzlich rauskommt und es mittags 12 Grad wärmer ist als am Morgen. Eine richtige Wanderausrüstung brauchst du nur, wenn es tatsächlich aufs Land geht. Wenn du nur RVK Downtown unsicher machst und eine Tagestour zum Golden Circle buchst, kannst du das auch wundervoll in Sneakern tun.

Die Steckdosen in Island sind dieselben wie in DE, du brauchst also keinen Adapter für deine Elektrogeräte. Wenn du gerne fotografierst: Bring auf jeden jeden Fall deine Kamera mit! Du wirst es sonst bereuen :/ Ein persönlicher Tipp: Nimm dir deine Lieblingspflegeprodukte wie Shampoo, Cremes und Make-Up aus Deutschland mit. In IS sind diese Sachen deutlich teurer und auch nicht alle Marken erhältlich.

 

Wohnen

Die Wohnungssituation in Reykjavík ist, sagen wirs mal so, angespannt. Im Winter vermieten einige Gasthäuser ihre Zimmer für einen längeren Zeitraum an Studenten und Jobber. Dann kannst du dir deine Mitbewohner zwar nicht aussuchen, hast aber ein möbliertes Zimmer in zentraler Lage. Im Sommer hingegen kommen die Touristen – da wird es wirklich schwer mit der Wohnungssuche. Am besten versuchst du, einen Platz im Wohnheim zu bekommen.  Wenn das nicht klappt, kannst du über Internetbörsen, Facebookgruppen oder persönliche Kontakte ein Zimmer finden.

 

Verkehr

IcelandairIch bin mit der Fluggesellschaft Iceland Air geflogen, die ganzjährig von verschiedenen Airports aus Island ansteuert. Der Flug war sehr angenehm, die Flugzeuge sind mit kleinen Touchscreens in der Kopfstütze des Vordermanns ausgestattet. Man kann sich die ungefähr 2 1/2h Flugzeit mit Filmen, Serien, Dokus über Island oder (natürlich isländischer) Musik vertreiben. Im Sommer gibt es auch günstigere Fluggesellschaften (z.B. Air Berlin oder Germanwings). Flüge aus dem Ausland landen am Flughafen Keflavík. Von dort fährst du am einfachsten mit dem Bus (z.B. FlyBus) nach Reykjavík. Keine Sorge, auch wenn du spät abends erst ankommst, sollte ein Bus bereitstehen! Die Mitarbeiter am Flughafen helfen dir da.

Wenn du im Stadtkern (Bezirk 101) oder im an die Universität angrenzenden Wohngebiet wohnst, kannst du die Uni bequem zu Fuß erreichen. Wer in Island Bus fahren will, sollte immer Kleingeld parat haben: Eine Busfahrt kostet immer gleich viel (300 Kronen, wenn ich mich recht erinnere) und werden beim Einsteigen beim Fahrer bezahlt. Infos auf Englisch findest du  unter straeto.is. Züge gibt es in Island keine! Für Ausflüge aufs Land mietet man sich am besten ein eigenes Auto. Es gibt auch Mitfahrzentralen – so kannst du Geld sparen und neue Kontakte knüpfen.

 

Sprache

Sprecht mir nach: ég tala ekki islensku. Ich spreche kein Isländisch. Schade eigentlich, ist eine tolle Sprache! Ich muss zugeben, als ich das erste Mal „echtes“ Isländisch hörte, dachte ich „Ach du scheiße“. Kratzig irgendwie, komisch. Nach kurzer Zeit hat sich das gelegt und ich fand die Sprache echt schön. Es gibt verschiedene Sprachschulen, die Isländisch-als-Fremdsprache-Kurse anbieten, sowie Kurse an der Uni für die Austauschstudierenden. Aber keine Sorge, man kommt auch ohne großartige Isländisch-Kenntnisse prima durch den Alltag. So gut wie alle – egal ob jung oder alt – sprechen sehr gutes Englisch (mit isländischem Akzent, aber trotzdem gut verständlich). Ältere Leute, so um die 60 und aufwärts (schätzungsweise), haben in der Schule in der Regel Dänisch als erste Fremdsprache gelernt. Die tun sich dann mit Englisch ein wenig schwer. Dinge wie einkaufen, Kaffee bestellen oder nach dem Weg fragen sind absolut problemlos auf Englisch oder mit Händen und Füßen möglich. Im schriftlichen Isländisch findet man so einige Wörter, die dem Deutschen ähneln. Kein Wunder, die Sprachen gehören ja auch zu den germanischen Sprachen, wenn auch zu unterschiedlichen Zweigen.  Ausgesprochen ist Isländisch dann aber nochmal eine Klasse für sich und (zumindest für mich) nicht verständlich. Auf einer isländischen Tastatur findet man übrigens einen Buchstaben, mit dem man ganz wundervolle Smileys machen kann: An der Háskóli Íslands gibt es eine deutsche Abteilung. Die Studierenden dort freuen sich über Tandempartner :)

 

Geld & Einkaufen

Ich wage zu behaupten: Das Leben in Island ist teuer. Zu den hohen Mieten kommen die happigen Preise für Lebensmittel, die größtenteils importiert werden. Das Gemüse dort ist auch dementsprechend oft nicht mehr so frisch :/ Dafür hast du die Gelegenheit, amerikanische Frühstücksflocken zu probieren, die du sonst nur in TV-Shows siehst.

Wer länger dableibt, sollte sich nach einem Bankkonto erkundigen. Für kurze Aufenthalte reicht eine Kreditkarte. In Island zahlt jeder mit dem Plastikkärtchen, auch Centbeträge! Um meinen Mitbewohner zu zitieren:

„Wenn du in Island bar bezahlst, bist du entweder Tourist oder Drogendealer“

BlickvonHallgrimskirkjaDer günstigste Supermarkt ist Bónus, du erkennst ihn an dem merkwürdigen rosa-gelben-Sparschweinlogo. Andere Läden bieten dir eine größere Auswahl, gehen aber auch mehr ins Geld. Geschäfte haben i.d.R. auch sonntags geöffnet. In der Innenstadt ist der Laugavegur die zentrale Einkaufsstraße, parallel bzw. schräg zur Kirche hin verläuft der/die Skólavörðurstígur. In den Seitenstraßen rund um diese beiden Straßen herum sowie rund um die Austurstræti findest du die meisten Läden und Bars.

 Am Stadtrand liegt das Einkaufszentrum Kringlan, das du ganz gut mit dem Bus erreichen kannst.

H&M gibt’s in Island übrigens nicht. Auch andere Ketten siehst du in Reyjkavík sehr selten, zumindest in der Innenstadt (im Kringlan gibt es z.B. Topshop und Vero Moda). Downtown ist eher von individuellen Boutiquen geprägt, auch die obligatorischen Islandpullover gibt’s dort zu kaufen. Mach dich darauf gefasst, dass Klamotten shoppen ein teures Vergnügen ist!

 

In Teil 2 geht's weiter mit: Isländer, Freizeitgestaltung, Feiern & Tipps!

7 Kommentare

    1. Liebe Ariane, vielen Dank für die Blumen :) Ich schau mir gleich mal deinen Blog an. Liebe Grüße!

      Antworten

  1. Das hört sich so toll an – jetzt will ich auch unbedingt mal nach Island!!! :-) Vielen Dank für die vielen Tipps!!
    Wie war das denn mit der Sprache, als du dein Praktikum gemacht hast. Habt ihr Englisch gesprochen oder hast du Isländisch schon vorher gelernt oder….?

    Liebste Grüße
    Anna

    Antworten

    1. Naja ganz so explizit war ich ja nicht :) Also ich hab an der Deutschen Abteilung der Uni gearbeitet, da war die Unterrichts- und Arbeitssprache mit den isländischen Studierenden und den deutschen Kollegen immer deutsch :) Mit den Mitbewohnern etc habe ich Englisch gesprochen – Isländisch hab ich nur ein paar Wörter gelernt . Vielen Dank für den lieben Kommentar :)

      Antworten

  2. Wow! Ein wirklich toller und ausführlicher Bericht! Seitdem ich denken kann ist es mein Traum auf diese Insel zu kommen. Mit dem Kamera im Gepäck bestimmt ein tolles Abenteuer! Hoffentlich kann ich mir diesen Wunsch so schnell es geht erfüllen.

    Deine Tipps waren wirklich informativ! Danke dafür :)

    Antworten

  3. Der Bericht ist echt toll. Ich will schon so lang mal nach Island (besonders weil ich in die Pferde verliebt bin) und ich stelle gerade fest, dass ich von dem Land an sich eigentlich keine Ahnung habe. Dein Beitrag hat mir auf jeden Fall Mut gemacht, dass ein Islandaufenthalt nichts unmögliches ist – vielen dank dafür

    Aller liebste Grüße
    Vivien

    Antworten

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