Island – ein Geheimtipp (Teil 2)

Hier gehts zum ersten Teil von Island – ein Geheimtipp

Isländer

Wundervolles Volk – sehr nett, zum Teil am Anfang etwas schüchtern, spätestens mit Alkohol werden sie spontan und offen. Die Isländer gehen gerne feiern und machen sich dabei auch schick. Viele waren schon im Urlaub in verschiedenen Ländern, machen einen Schüleraustausch oder studieren im Ausland. Touristen sind sie gewohnt, die Verständigung auf Englisch ist kein Problem

Man spricht Isländer mit dem Vornamen an, da es in Island keine richtigen Familiennamen gibt (bzw., schwierig zu erklären: Der Nachname besteht aus dem Vornamen des Vaters im Genitiv und der Endung –dottir (-Tochter) für Mädchen oder –son (-Sohn) für Jungs. Sólveig Guðmundsdóttir ist also Sólveig, die Tochter des Guðmund. Verstanden?)

Ich habe Isländer als sehr stilvoll gekleidete Menschen erlebt – echt jetzt. Ich habe es dementsprechend immer als Kompliment aufgenommen, wenn Menschen mich für eine Isländerin gehalten und auf Isländisch angesprochen haben. (Typische Deutsche erkennt man ja an ihren Jack Wolkskin-Klamotten…) Unter den jungen Isländern konnte ich zwei Haupt-Styles ausmachen: Zum einen die „Skinka“, die durch sehr starkes Make-Up, enge Kleider und High Heels auffallen, und die Hardcore-Hipster, die Vintage-Fundstücke und Trend-Teile wild kombinieren.

Gay Pride ;)
Gay Pride ;)
Eine Google-Suche nach „Miss Iceland“ zeigt mir sehr viele, sehr hübsche, sehr blonde Mädels. Nicht alle Isländerinnen sind blond und Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, aber da sind schon echt schöne Menschen unterwegs!  Isländische Männer tragen übrigens oft nen Anzug beim Feiern – himmlisch! ;)

Ach, noch was: Homosexuelle sind in Island ganz wunderbar akzeptiert! Ich fands wirklich wirklich schön, das so zu erleben, zumal meine „beste Freundin“ und Mitbewohnerin dort, Rachel, auch homosexuell ist. Ein kleines Beispiel: Mein Mitbewohner erzählte, dass Sigrún, seine Kollegin, eine neue Freundin habe und diese im Süßigkeitenladen arbeite. Die Reaktion der Anwesenden:

„Im Süßigkeitenladen? Geil! Kann die uns was mitbringen?“

In Deutschland wäre die erste Frage sicher „Wieee, Sigrún hat ne Freundin?! Ist die ne Lesbe?!“ gewesen ;) Von diesem unverkrampften Umgang können sich Deutsche eine Scheibe abschneiden.

 

Feiern

Alkohol ist teuer. Verdammt teuer. Wenn du dir nach dem letzten Absturz geschworen hast, keinen Alkohol mehr zu konsumieren: Now is the time, babe. 

DrinksatDollies
Drinks at Dolly’s
Wer nicht zum Kurzzeit-Antialkoholiker werden möchte, kann sich seinen Lieblingsfusel nicht in Supermärkten oder an Tankstellen besorgen, sondern muss dafür zu bestimmten Verkaufsstellen: Vínbúðin. Oder natürlich in Clubs oder Bars. Die gibt’s zahlreich in Downtown! Regelmäßig schließen welche und Neue spießen aus dem Boden – ich glaub, meinen Lieblingsclub damals gibt es gar nicht mehr. Ausweiskontrollen werden in Island übrigens ernst genommen, rein kommt man erst mit 21 (glaube ich). Ich habe öfter gelesen, dass Isländer erst gegen Mitternacht in die Clubs gehen und kann das zum Teil bestätigen. Man trinkt halt lieber zuhause vor – entweder, was man im Vínbúðin erstanden hat oder selbstgebrannten Schnaps („Moonshine“ – hat mir den Kater meines Lebens verpasst). Wer erst zu später Stunde das Haus verlässt, muss dafür aber oft vor den Clubs anstehen. Deshalb würde ich empfehlen, einfach schon etwas eher loszugehen und in der Bar deiner Wahl einen netten Platz zu sichern.

Achja, in ungefähr jedem Reise-Guide zu Island findet man den Tipp, bei der Ankunft am Flughafen im Duty Free Store Alkohol zu kaufen, da er da viel günstiger ist. Ja. 100% approved. Mach das. Du  wirst es sonst bereuen, wenn du zum ersten Mal die Preise im Vínbúðin siehst.  

 

Freizeitgestaltung

Musik spielt in diesem kleinen Land eine große Rolle: Fast jeder spielt ein Instrument, ist in einer Band oder singt im Chor. Dementsprechend finden auch oft Konzerte statt. Ich hab mal gelesen, dass in Island die meisten Bücher pro Kopf geschrieben werden. Keine Ahnung ob das stimmt, aber Literatur und Kultur haben tatsächlich einen hohen Stellenwert. Neben Lesungen finden auch oft Kunstausstellungen und ähnliche Veranstaltungen statt. Irgendwie ist jeder in Island ein Künstler :) Für alle Veranstaltungen ist auf jeden Fall die Reykjavík Grapevine dein bester Freund.

Für Ausflüge ins Umland gibt es verschiedene Möglichkeiten: a) du kannst eine Bustour mit einem Reiseveranstalter buchen. Das ist wahrscheinlich am unkompliziertesten, du bist jedoch nicht so flexibel und musst dich an festgelegte Abfahrtszeiten halten. b) Miete ein eigenes Auto, damit bist du viel flexibler – je mehr Mitfahrer, desto günstiger. Beachte, dass manche Autovermietungen spezielle Bedingungen haben (z.B. ein Mindestalter) oder c) wenn du Erasmus-StudentIn bist, werden bestimmt Aktivitäten von deiner Uni angeboten. Halte die Augen offen!

Abseits der typischen Touri-Aktivitäten wie Whalewatching, Golden Circle, Nordlicht-Tour, Gammelhai essen und dem Besuch im Penis-Museum noch ein paar Tipps meinerseits:

  • Erlebe den Sonnenaufgang auf dem Turm der Hallgrímskirkja
  • Stöbere nach Krimskrams im Tiger (eine dänische Kette, gibt’s in Deutschland kaum)
  • Probiere die Süßigkeiten, speziell Eis und Lakritz
  • Nimm dir Zeit, die Seitenstraßen zu erkunden & auf Graffiti-Suche zu gehen (davon gibt’s in RVK jede Menge)
  • Die kostenlose, englischsprachige Grapevine informiert dich, was so los ist und welche Partys stattfinden. Sie liegt kostenlos an vielen Orten aus und ist natürlich auch online zu erreichen. Von der Grapevine stammt auch die App Appy Hours, die dir alle Bars in Downtown RVK inklusiv der Happy Hour Zeiten anzeigt.
  • WLAN gibt’s fast überall & man findet alle möglichen Infos online, z.B. zur Nordlichtwahrscheinlichkeit. (Mit Glück sieht man Nordlichter auch in der Stadt :))
  • Echte Islandpullover sind leider recht teuer. Im Second Hand Shop des Roten Kreuzes findest du gebrauchte Pullis für einen Bruchteil (Laugavegur, unterer Teil)

 

und zu guter Letzt noch ein etwas ungewöhnlicher Punkt:

Wasser

Diese Insel hat ein spezielles Verhältnis zu Wasser: Sie liegt nicht nur mitten Im Meer, auch die zahlreichen heißen Quellen im Landesinneren spielen eine große Rolle. Das heiße Wasser dient der Energiegewinnung und beheizt die Städte. Die Badekultur ist sehr ausgeprägt, überall gibt es Schwimm- und Freibäder, an manchen Stellen kann man auch in der freien Natur baden!

 

Hot River. Reykjadalur, Iceland 2013 from ukasz on Vimeo.

Was Leitungswasser angeht:

Kaltes Wasser: lupenreines, wohlschmeckendes, gesundes Quellwasser – Leitungswasser lässt sich bedenkenlos trinken, Cafés stellen i.d.R. große Karaffen mit Wasser bereit. Ich trinke in der Regel zu wenig.. Und wenn, dann Mineralwasser. Stilles Wasser schmeckt mir nicht, zumindest in Deutschland. Das isländische Leitungswasser hat mir aber viel besser geschmeckt  und ich hatte einfach immer eine Plastikflasche dabei, die ich überall auffüllen konnte :)

Das warme Leitungswasser hingegen stinkt nach faulen Eiern, weil so viel Schwefel darin enthalten ist. Die erste Dusche war ein Schock! Daran muss man sich erstmal gewöhnen… Das schwefelhaltige Wasser hat meine Haut ziemlich trocken gemacht (=Creme mitnehmen!) und mir einige Zentimeter meiner langen Haare ruiniert :/

Bilder von der Blue Lagoon hast du mit Sicherheit schon einmal gesehen – und wusstest du, dass es in Reykjavík sogar einen durch eingeleitetes Quellwasser beheizten Strandabschnitt gibt?!  Also, äähm, die Quintessenz dieses Abschnitts: Pack die Badehose ein!

Ich hoffe, dass ich allen, die eine Reise nach Island planen, ein paar Tipps geben konnte. Weitere Hinweise sind in den Kommentaren gerne gesehen :)

3 Kommentare

  1. Oh das hört sich einfach traumhaft an! Und die Bilder sind super schön! Ich will auch unbedingt mal nach Island <3
    Toller Post!
    Liebst, Sarah von Belle Mélange

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.