„Kay One – Prinzessin gesucht“ ist ein Meisterwerk des Trash-TVs

Ja, ich gebe zu, ich habe es geguckt. Aber ich bin ja jetzt auch offiziell Studentin der Medienwissenschaft, den ganzen Schund konsumiere ich nur zu Forschungszwecken. Wer Formate wie Der Bachelor, Schwiegertochter gesucht, Bauer sucht Frau oder diverse Castingshows für Trash hielt, braucht nun für Kay One – Prinzessin gesucht dringend einen neuen Maßstab.

Die Eckdaten: Prince Kay One, wahnsinnig erfolgreicher, exorbitant gutaussehender und dabei noch bescheidener Musiker  Musik-Superstar sucht seine neue Lebenspartnerin, die dann analog den Titel „Prinzessin“ tragen darf. Da er bisher zwar jede Menge gutaussehender Frauen („Topmodels“) kennen lernen durfte, die aber einen „schlechten Charakter“ haben und/oder es nicht ernst mit ihm meinen, lädt er sich nun elf Frauen in eine Villa auf Malle ein, wo er durch intensive Gespräche („Wann hattest du das letzte Mal Sex?“) und aufwändig geplante Challenges (aufreizend Tanzen, natürlich zu Kay Ones eigener Musik) das kennenlernen will, was ihm am wichtigsten ist: ihren Charakter. Runde für Runde müssen eine oder mehrere Prinzessinnenanwärterinnen abreisen, bis diejenige, deren Möpse innere Werte dem Prinzen am meisten zusagen, schließlich zur Prinzessin gekrönt wird.

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Screenshot via rtl2now
Das Konzept der Sendung wird also 1:1 von der Show Der Bachelor kopiert, nur dass einfach alles ein wenig billiger und geschmackloser umgesetzt wurde: Armbänder aus Glassteinchen statt Rosen, eine Villa auf Malle statt in Südafrika. Nackte Haut, Silikon, Nahaufnahmen von Ärschen, Lapdance, kreative Grammatik.

 

Als etwa 140 Zentimeter großer Gipfel der Geschmacklosigkeit wird ein kleinwüchsiger Mann als Diener namens Kay Two in Kostüme gesteckt und darf die Brüste der Kandidatinnen vermessen.

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Screenshot via rtl2now

Bezeichnend ist auch, dass all jene Elemente, die Kuppelshows den richtigen Biss verleihen, zum Beispiel Zickenkriege zwischen den Kandidatinnen, Eifersuchtsdramen und schmutzige Geheimnisse aus der Vergangenheit hier nicht subtil ans Licht kommen, sondern gezielt herausgefordert werden:

Während bei der letzten Bachelor-Staffel (Christian, Glatze, blaue Augen – klingelt’s?) in den Medien Gerüchte über die Verbindung der Kandidatin (und später Gewinnerin) Katja aus Dresden zum Rotlichtmilieu diskutiert wurden, titelte die Zeitung mit den bunten Bildern und vier Buchstaben bei Prinzessin gesucht hingegen schon mehrere Wochen VOR der Ausstrahlung: „Kay One fällt auf Transe rein“. Dass die Kandidatin Sasa ein „Geheimnis“ hat, wird mehrfach angedeutet und in der nächsten Folge offensichtlich aufgedeckt. 

Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass TeilnehmerInnen solcher Shows diese gern als Sprungbrett für eine weitere Karriere in der Medienlandschaft nutzen. Man denke nur an die kesse Wurstliebhaberin Melanie Müller aus Der Bachelor 2013, deren Pornovergangenheit und Sextoy-Onlineshop Aufmerksamheit erregten und die sich mittlerweile zur amtierenden Dschungelkönigin hochgearbeitet hat. Bei Prinzessin gesucht mutmaßt die Kandidatin Gessica sogar fröhlich in die Kamera, dass eine andere Kandidatin ihren TV-Auftritt als Promo für die Karriere in der Erotikbranche nutzen will.

 

Ganz ehrlich? Hut ab!

Man kann jetzt natürlich einfach „Schund!“ rufen und ausschalten. Aber wenn man mal drüber nachdenkt: Ich finds von RTL II irgendwie mutig, das zu produzieren und zu senden. Schließlich geben die Verantwortlichen und Kay One sich nichtmal die Mühe, so zu tun, als würden sie das ernst meinen.

Während die RTL-Kupplerinnen Vera und Inka noch so tun, als seien sie um die Schicksale ihrer Single-Bauern und –Muttersöhnchen ernsthaft besorgt und während sich die männlichen Bachelors zumindest noch mit den Kandidatinnen unterhalten, spielen das Verkuppeln und Verlieben hier nur eine Nebenrolle. Unbestrittener Star der über zwei Stunden Sendezeit (inkl. Werbung) ist natürlich der Prinz. Im Vorspann wird angekündigt: „Prince Kay One lässt die Puppen tanzen“ und genau das passiert. Mit männlicher Unterstützung seines schwulen Stylisten Goldpinsel und seines besten Freundes bzw. Kameraträgers Alex hat Kay auf jeden Fall was zu lachen, während er die Kandidatinnen herumkommandiert und betont, dass seine Prinzessin um ihn kämpfen muss, um ihn kennen lernen zu dürfen.

Bezeichnend ist die Szene, in der Kay One die Wörter vorträgt, aus denen drei innerhalb von 15 Minuten ein Gedicht über den Prinzen schreiben sollen, und er angesichts dieses Schwachsinns einfach nicht mehr ernst bleiben kann. Das von mir hochgeschätzte VICE Mag titelt „Kay Ones Datingshow ist das Frauenfeindlichste, was seit Langem im Fernsehen gelaufen ist“ und hat damit vermutlich mal wieder recht.

 
Screenshot via rtl2now
Screenshot via rtl2now

Fest steht: Wer auf Trash steht, wird perfekt unterhalten.

Sowohl bekennende Fans als auch Hater des Musikers werden wohl eingeschaltet haben. Insgesamt fielen die Einschaltquoten laut Quotenmeter.de jedoch eher enttäuschend aus: „Durchschnittlich 0,75 Millionen verfolgten ab 21:15 Uhr die Partnersuche des deutschen Rappers auf Mallorca, womit der Marktanteil angesichts von 3,1 Prozent klar unter die vier Prozent fiel, die RTL II zuletzt im Monatsdurchschnitt vorzuweisen hatte. Bei den 14- bis 49-Jährigen kam das zunächst auf nur zwei Folgen angelegte Format auf eine Reichweite von 0,50 Millionen, was deutlich zu schwachen 5,3 Prozent entsprach.“

Immerhin waren die Produktionskosten offensichtlich nicht sonderlich hoch: Die Miete für die Villa war wohl der größte Kostenfaktor. Ein wenig Kleingeld für Bikinis, Champagner und ein paar Kameraleute kommen noch dazu. Die Ausgaben für Musikrechte wurden minimiert, indem einfach an jeder möglichen Stelle Kay Ones eigene Musik eingespielt wird.

Das Resultat ist weniger eine Datingshow als eine Dauerwerbesendung. Kay One wird als selbstverliebtes Macho-Arschloch dargestellt, oder, um es mit den Worten Sasas zu sagen: „Der Kay ist auch irgendwo asozial, aber asozial mit Stil“. Jedoch hat ihn diese Show auf die Titelseite der BILD-Zeitung gebracht – mit Alben-Verkaufszahlen wäre ihm das wohl nicht gelungen.

Wer sich das trashige Elend angucken will, findet es bei RTL II now. Der zweite (und letzte) Teil folgt dann am 6. Oktober.

 

P.S.: Neben der ständigen Schleichwerbung für Amarula (Der Bachelor) habe ich auch die Alliterationen vermisst, die von den Kollegen bei RTL exzessiv verwendet werden. Ich hätte da ein paar Vorschläge: Sexy Silikonkissenträgerin, proletenhafter Pseudo-Prinz, drolliger Diener, bikinitragende Blondine, geltungssüchtiger Gangster-Rapper, sexistischer Sonnenbrillenträger, pfiffige Prinzessinnenanwärterin, selbstverliebter Sportwagenfahrer, honigsüße Highheelträgerin, verblödeter V-Ausschnitt-Träger…. Ich könnte ewig so weitermachen.

 

Quellen/ weiterführende Lektüre:

http://www.rtl2.de/sendung/kay-one-prinzessin-gesucht
http://www.presseportal.de/pm/6605/2841388/ab-29-9-neu-bei-rtl-ii-kay-one-prinzessin-gesucht-foto
http://www.vice.com/de/read/kay-one-prinzessin-gesucht-ist-das-frauenfeindlichste-seit-langem-905
http://www.quotenmeter.de/n/73451/kay-ones-dating-show-geht-nach-hinten-los
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Bachelor
http://de.wikipedia.org/wiki/Melanie_M%C3%BCller
http://www.bild.de/unterhaltung/tv/kay-one/bushido-laestert-ueber-transe-in-kuppelshow-prinzessin-gesucht-37713736.bild.html
Titelbild: RTL II via presseportal.de; Screenshots via rtl2now.de

Ein Kommentar

  1. Sehr schöner Artikel! Ich habe ehrlich gesagt meinen Fernseher seit drei Monaten(!) aus gelassen, weil eh nur Mist kommt. Nachrichten kriege ich auch so mit, die Heute-Show kann ich mir im Internet anschauen und den Rest des Programms vermisse ich nicht sonderlich. :D

    Ich schaue eigentlich öfter Trash-TV – man bleibt halt irgendwie drauf hängen. Aber danach habe ich immer das Gefühl von verschwendeter Lebenszeit und denke mir: „Hm, irgendwie hättest du die letzten zwei Stunden doch sinnvoll nutzen können…“

    Deshalb bleibt der Fernseher aus ^_^

    Liebe Grüße, bela devojka

    Antworten

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