Vom können und müssen

Seit Oktober studiere ich Medienwissenschaft im Master. In der ersten Woche wurden wir von verschiedenen Stellen gewarnt: „Das erste Semester wird hart“, sagten sie. Sie hatten Recht.

Die Dozenten haben sich (wie sie selber zugegeben haben) nicht so richtig abgesprochen und die Deadlines für die unterschiedlichen Projekte häufen sich. Wir müssen ein Manuskript und mehrere Lektüreberichte abgeben, wir müssen unseren Artikel überarbeiten, wir müssen in drei Wochen eine Klausur schreiben, und in den Semesterferien zwei Hausarbeiten. Wir müssen.

Ganz schön viel zu tun“, ächzen einige meiner KommilitonInnen.

Ich bin ja eigentlich echt nicht als Optimistin bekannt. Grumpy Cat is my spirit animal, und so. Trotzdem bin ich grad ziemlich motiviert.
Kennt ihr den Unterschied zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation? Man ist extrinsisch motiviert, wenn man etwas nur tut, um eine Belohnung zu bekommen oder einer Strafe zu entgehen. Intrinsische Motivation hingegen kommt quasi „von innen heraus“.

In der Schule hat das noch einigermaßen funktioniert, wenn Papi oder Omi einen 10-Mark-Schein für eine gute Note in der nächsten Klassenarbeit geboten haben. Spätestens im Studium sollte man dann intrinsisch motiviert sein – man muss schließlich über einen langen Zeitraum viel leisten. Wenn jemand ein Fach nicht aus Interesse studiert, sondern weil er damit das große Geld wittert, wird er wahrscheinlich scheitern. Oder einen so schlechten Abschluss machen, dass er damit auch keinen Blumentopf gewinnt.

Obwohl wir unser Studienfach freiwillig (und normalerweise aus Interesse) wählen, kenne ich viele Studis, die dauernd über ihr Studium meckern (damit meine ich nicht unbedingt meine aktuellen Kommilitonen, falls die hier grad mitlesen :D). Kein Bock auf Lernen, der Kurs ist eh blöd. Lieber ein Selfie posten mit den Hashtags #keinelustzulernen und #Prokrastination.

Ein kleiner Motivationstipp: formuliert die To-Do-Listen um. Wir können ein Manuskript abgeben, wir können die Klausur und die Hausarbeiten schreiben. Das klingt ungewohnt, wie ein fakultatives Angebot. Ein Angebot, das nicht jeder erhält. Hört sich doch gleich viel motivierender an, oder?

1421585045816
#selfie

Ich persönlich bin wahnsinnig froh, dass ich diesen Masterplatz bekommen habe. Dass ich hier studieren kann. Ich bin dankbar dafür. Einer unserer Professoren ist regelmäßig als Experte in Talkshows zu Gast. Unser Dozent für das Rechercheseminar arbeitet als Redakteur beim SPIEGEL und ist (quasi nur für uns) an drei Seminarwochenenden quer durch Deutschland geflogen. Das Institut verfügt über fähige Dozenten, eine gute Ausstattung und viele Connections.

Der Arbeitsaufwand ist hoch, die Lernkurve steil. Ja, wir haben viel zu tun. Allerdings erwartet ja auch niemand, sein Abschlusszeugnis für zwei oder drei Jahre Nichtstun in die Hand gedrückt zu bekommen, oder?

15 Kommentare

  1. Liebe Kato, ich freu mich so, immer wieder bei dir vorbei zu klicken, du machst sogar aus Selfies und Prokrastination noch einen spannenden Beitrag!
    Das Problem kennt ja irgendwie jeder und leider stehe ich auch ziemlich oft auf der Meckerer-Seite… Aber ich bin auch generell ziemlich gut im meckern :D Trotzdem freue ich mich immer wieder über motivierte Phasen und wenn man sich mal darüber Gedanken macht, was man an der Uni für Angebote und Möglichkeiten hat, dann überlegt man sich eben doch, das ein oder andere auf den obligatorischen Teil drauf zu packen… Man lernt ja schließlich für’s Leben – mehr oder weniger :) Alles Liebe, Lisa

    Antworten

    1. Liebe Lisa, vielen Dank für dein Feedback :)
      Ohja stimmt! Kurse, kostenlose Software, der Studentenrabatt und das riesige Angebot der Bibliothek.. Liebe Grüße!

      Antworten

  2. Schöner Beitrag – kann man absolut nachvollziehen und unterschreiben. Die besten Sachen gedeihen immer dann, wenn man auch wirklich will und Spaß daran hat. In welcher Stadt studierst du? Ich frage, weil ich in Tübingen gerade den Mewi-Bachelor beendet habe ;)
    LG Sabine

    Antworten

    1. In Tübingen! :D Ist soweit ich weiß ja der einzige nicht-konsektutive MeWi-Master.. Zumindest in Süddeutschland. Und was hast du nach dem Bachelor vor? LG!

      Antworten

  3. Oh das erwartet mich wohl erst in einigen Jahren. Habe jetzt auch einen Medienstudiengang begonnen, aber dieser ist ziemlich praktisch ausgelegt, sodass wir im 3. Semester zum Beispiel gar keine Klausur schreiben, sondern nur eine Hausarbeit und einige praktische Projekte (die wir meist in Gruppen-/Partnerarbeit machen) vorstellen müssen.
    Ich mag es, wie du unterschwellig ein wenig Wissen in deinen Texten vermittelst (vor allem, weil ich mich früher oder später auch damit auseinandersetzen muss :D)

    Du hast definitiv eine Leserin mehr :)

    Liebe Grüße,
    Vita

    Antworten

  4. Das sehe ich ganz genauso! Ich habe vorher etwas studiert, was mich nicht wirklich ausgefüllt hat (BWL) und ich habe es sogar durchgezogen. Umso glücklicher bin ich mit meinem jetzigen Studiengang (Kommunikations- und Medienwissenschaften). Klar gibts auch Themen und Profs, die mir nicht so liegen und so mancher Sonntagnachmittag wäre ja schon netter im Café als in der Bibliothek. Aber gleichzeitig bin ich so dankbar dafür, dass ich die Gelegenheit habe, genau das zu studieren was ich möchte, dass ich diese Gedanken immer schnell weg schiebe. Ich interessiere mich für die ganze Thematik auch außerhalb des Studiums (was durchaus nicht bei allen Kommilitonen gegeben ist) und lese immer ganz viel zu den neuesten Entwicklungen der Medienbranche und im Journalismus, einfach weil ich es spannend finde – und so sollte es doch eigentlich sein, oder?

    Antworten

  5. Hallo Kato, da steht einiges an bei dir schulisch gesehen. Mitreden kann ich da weniger, aber du schaffst das schon. Nur die Fleißigen bekommen etwas ;-) und nichts wird einem im Leben geschenkt!
    Liebe Grüße Tanja

    Antworten

  6. Sehr toller Post! Ich studiere derzeit Pharmazie, oder ich versuche es eher. Die Themen interessieren mich wirklich sehr doch derzeit hat die Uni zu viele Studenten und sie machen die Prüfungen jedes mal schwieriger und schwieriger… Viele Studenten sitzen zwei Semester lang an zwei Prüfungen – da bin ich wenigstens nicht die Einzige. Jedenfalls fällt es einem in solchen Momenten motiviert zu bleiben sehr schwer, auch wenn man alles gibt und aus reiner Überforderung alles wieder wegschmeißt und die nächste Prüfung vor sich her schiebt. Bis man an diesen Punkt gelangt wo man sich denkt, dass man das Falsche studiert und nach Alternativen sucht. Dabei hat man ganz vergessen es doch das richtige ist!

    Und die Mitstudenten die manchmal neben mir sitzen und während einer Vorlesung jammern wie langweilig es doch ist (obwohl keine Anwesendheitspflicht besteht) verstehe ich wirklich nicht!!!

    Antworten

    1. Hallo Aly, ohje, vor PharmaziestudentInnen habe ich wirklich Respekt! Das scheint echt krass zu sein. Ich wünsch dir viel Erfolg bei deinen Prüfungen!

      Antworten

  7. Jeder geht mit Stress anders um. Ich glaube auch, das viele ein Studium zu leicht nehmen. In der Schule habe ich fast nie gelernt und trotzdem gute Noten gehabt. Weil ich aber nicht gerne lerne, habe ich mich bewusst für eine Ausbildung entschieden und bin heute noch sau glücklich mit der Entscheidung.
    Ich höre von vielen Freunden, die Student sind, dass sich die „Lehrer“ nicht absprechen und das Management des Studiums an sich ein Witz ist. Ich frage mich dann, ob die Unis das extra machen, damit sie mehr Studenten aussieben können. Sowas gibt es zb. an der TU Dortmund. Ich finde das sehr ungerecht.

    Antworten

  8. Schöner Blog und toll geschriebener Artikel! Ich habe auch letzten September begonnen etwas zu studieren, was ich nicht wirklich wollte- und es demnach im November auch gleich wieder abgebrochen. Nun möchte ich am liebsten Psychologie studieren, muss aber schauen, ob ich genommen werde mit 2,0. Ich finde es auch sehr wichtig und, wenn dem dann so ist, bewundernswert, dass die Motivation von Innen kommt! Alles Liebe und viel Erfolg für dein Studium, Katha

    Antworten

  9. Ich muss sagen, ich bin echt neidisch auf deinen Studiengang :D Ich wollte auch immer Medienwissenschaften studieren, hatte auch schon einen Studienplatz in Düsseldorf, aber da hatte ich bereits meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben /:
    Ich kann mir vorstellen, dass das Fach von vielen Leuten unterschätzt wird, aber dennoch sollte man, wie du es richtig ausdrückst, studieren, was einen eben interessiert, und nicht das, was eine Prestige und Ansehen oder Geld einbringt!

    Liebe Grüße,
    Jenny
    http://www.imaginary-lights.net

    Antworten

  10. schönes thema! die selben gedanken habe ich mir auch schon öfter gemacht. leider gibt es nach wie vor viel zu viele leute, die nur der extrinsischen motivation wegen etwas tun oder gerade auch wegen des ansehens, das sie sich davon versprechen.. das ist wirklich schade und wird auf dauer sicher nicht glücklich machen!
    jedes mal, wenn ich mir denke: „ich muss noch x und y tun“ merke ich auch ganz schnell: „moment. du musst überhaupt nichts. du tust das hier freiwillig!“

    Antworten

  11. Wow, ich würde den Studiengang auch total interessant finden. Wünsch dir viel Spass dabei, aber das studieren ist schon hefitg… Kann ich nachvollziehen. Liebe Grüsse aus Zürich.

    Antworten

  12. Also laaaaangsam beschleicht mich das Gefühl,dass du deinen Master an der TU Dresden machst…meine ehemaligen Profs waren in letzter Zeit auch ziemlich oft in Talkshows. Gib mal Rückmeldung, würd gern wissen ob ich richtig liege.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.