livin‘ the blogger dream – oder so

Ironie ist, wenn man einen Blogpost darüber schreiben will, dass man neuerdings als Bloggerin Pakete bekommt, und dabei vom Paketboten gestört wird, der ein neues Paket bringt… Naja, immerhin muss ich mir jetzt keine weiteren Gedanken über einen Einstieg machen, denn jetzt sind wir ja schon mitten im Thema: Pakete. Und was da so zugehört.

Ich muss euch was erzählen. Auch wenn ich auf dem Blog, Insta und Co nichts davon zeige: ich steh auf Schminke. In den Schubladen meines Schreibtisches liegt definitiv zu viel Make-Up und ich wurde auch oft genug durch LEs oder Neuerscheinung „angefixt“. Deshalb werde ich auch das ein oder andere Mal ein wenig neidisch, wenn ich Bloggerinnen via Snapchat & Co beim Auspacken hübscher Geschenkpakete voll mit Make-Up, Klamotten, Pflegeprodukten und mehr beobachte. Die dicken Fische im Bloggerbiz sind über das Duschgelstadium natürlich schon längst hinaus – da gibt’s dann Smartphones inklusive Selfie-Test, Reisen oder dicke Karren für den Wochenendtrip. Hach, was muss das Bloggerleben schön sein, nicht wahr?

Mir ist natürlich absolut bewusst, dass es sich nicht um Geschenke handelt, sondern dass viel Arbeit dahinter steckt. Nichtsdestotrotz habe ich mich natürlich schon öfter bei dem Gedankenexperiment erwischt, wie das denn so wäre, wenn ich auch eine berühmte Bloggerin wäre und mir keine Sorgen um meinen altersschwachen Laptop machen müsste, da bald die nächste Technik-Koop ins Haus steht, die Ferien schon mit nicen PR-Reisen verplant wären und mich im Hausflur regelmäßig Päckchen erwarten.

Da dieser Blog (a) für sämtliche Kooperationspartner aus der beautyfashionlifestyle-Gedöns-Branche uninteressant ist, und ich (b) auch überhaupt keine Lust hätte, mich dauerhaft von Kooperationen abhängig zu machen (i.S.v. Blog als Nebenjob), habe ich mich von dem Gedanken verabschiedet. Vor ein paar Monaten trudelten dann Mails (und ein paar Tage später die Päckchen) ein – nicht für diesen Blog, sondern für Sprache ist Integration. Durch den Blog über DaF/DaZ für Flüchtlinge (was das ist, habe ich hier beschrieben) habe ich jetzt schon einige Kontakte zu Verlagen geknüpft. Mehrere Male habe ich Neuerscheinungen entdeckt und ein Rezensionsexemplar angefordert; mittlerweile sind aber auch Verlage auf mich zugekommen und haben mir Päckchen geschnürt, weil sie cool finden, was ich da mache.

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Das Netz strotzt ja nur vor Anleitungen, wie man mit seinem Blog erfolgreich wird. Blogger geben ihresgleichen gut gemeinte (aber dann doch immer die gleichen) Tipps, die großen Medien greifen das Thema immer häufiger auf und so manch eine/r versucht daraus gleich eine Geschäftsidee zu machen, indem sie/er Blog-Kurse, -Bücher oder -Coachings verkauft. Parallel dazu kann man beobachten, wie BloggerInnen sich selbstständig und damit ihr Hobby zum Beruf machen. (Interessante Lektüre: Der Erfahrungsbericht von Elisa Ochmann (Elisa Zunder) zum Gründungszuschuss).

Die Tipps für einen erfolgreichen Blog sind dabei immer die selben: Gute Texte, gute Fotos, Regelmäßigkeit, Kommunikation mit LeserInnen und eine „Nische“. Durch die Besinnung auf eine Nische (oder alternativ im Marketingsprech: Unique Selling Point (USP)) soll man die Themen und Zielgruppe seines Blogs eingrenzen. Wen interessiert schon der xte Fashion-, Food- oder Reiseblog?  Wenn man sich spezialisiert und zum Beispiel einen Foodblog mit ausschließlich veganen Rezepten oder einen Fashionblog nur für große Frauen startet, hebt man sich von der Masse ab. (Wobei diese Nischen nun auch schon bedient werden..)

 

Wie verhält es sich andersrum? Wenn man von der Nische zum Blog ausgeht? Wenn man einen Blog zu einem Thema schreibt, zu dem (abgesehen von wissenschaftlichen Arbeiten) nicht viel publiziert wird? Wenn man dann plötzlich automatisch zur Expertin wird? Wenn man entdeckt, dass die großen Verlage den Blog auf ihren Webseiten empfehlen? Wenn man als Gast zu einer TV-Talkshow eingeladen wird? (Ja, ernsthaft, habe aber aus diversen Gründen abgesagt…)

Anstrengend, sag ich euch.  Aber auch echt cool.

 

Zuerst der stressige Part:

Ich hasse es ja wie die Pest, wenn BloggerInnen sich darüber beschweren, dass ihr Blog so viel Arbeit macht und dass sie ja die Jobs eines ganzen Magazins in sich vereinen (Chefredakteurin, Autorin, Fotografin, Lektorin, Social Media Managerin und Co). Ja, das stimmt, aber man hat es sich ja so ausgesucht und kann durchaus Kompromisse schließen, indem man Aufgaben outsourct oder sich mit etwas weniger zufrieden gibt, zum Beispiel schlechteren Fotos.

Mich strengen gerade zwei Dinge an:

  1. Zum einen Menschen, die nicht aufmerksam lesen und mir dadurch Mehrarbeit schaffen. Ich habe zum Beispiel auf meinem Blog Kurzrezensionen oder Hinweise zu Materialien, die man sich kostenlos herunterladen oder bestellen kann. Einige (von den Vornamen her anscheinend ältere…) Personen lesen offenbar das „Rezension“ und „kann man da und da bestellen“ nicht richtig und schicken mir dann die Bitte, doch bitte 20 Exemplare davon  zum Asylfreundeskreis Hintertupfingen e.V. zu senden – inkl. vollständiger Adresse im Kommentarfeld. Da schreibe ich dann jedes Mal eine nette Mail mit dem Hinweis auf die Bestellmöglichkeiten und bekomme in der Regel nichts mehr zurück… Andere wollen mich auf irgendwelche Projekte aufmerksam machen, schaffen es aber nicht, die Basisinformationen in Form einer Pressemitteilung oder meinetwegen einfach einer simplen Mail mitzuschicken. Auf Google-Schnitzeljagd hab ich keine Lust, warum macht ihr mir die Recherche nicht einfach einfacher?
  2. Zum anderen stehe ich mir mal wieder selbst ein bisschen im Weg, da ich Rezensionen und recherchierte Infos natürlich so gewissenhaft wie möglich zusammenschreiben will und deshalb recht lange dafür brauche…

So, und jetzt der coole Teil:

Jedes zur Rezension eingeschickte Buch bedeutet ja erstmal (unbezahlte) Arbeit, da ich den Blog nicht monetarisiere und das auch nicht plane. Sprich, es gibt dort keine Sponsored Posts, Banner oder Affiliate-Links.

Indirekt entwickelt sich der Blog aber doch zu einer Einnahmequelle, da ich nun schon mehrere (bezahlte) Aufträge angeboten bekommen habe, die sich direkt von meinem Blog ableiten lassen. Sprich, Menschen sind auf den Blog aufmerksam geworden und wollen nun von mir, dass ich für sie schreibe oder sie berate oder mich an ihren Projekten beteilige.

Bevor das so richtig läuft, muss ich erstmal den dazugehörigen Rattenschwanz aka die Anmeldung als Freiberuflerin über die Bühne bringen. Aber hey, ist das nicht cool, dass ich mir so meinen eigenen Nebenjob geschaffen habe? (Darf ich jetzt den Hashtag #girlboss unter meinen Instagram-Selfies verwenden?)

 

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Gleichzeitig ist mir auch bewusst geworden, dass ich mich (auch wenn ich es könnte) nicht mit (m)einem Blog selbstständig machen wollen würde. Ich meine damit einen persönlichen „Lifestyle“-Blog, wo es eben um Mode, Konsum, Reisen und andere Nebensächlichkeiten geht. (Ich hasse übrigens den Begriff „Lifestyle-Blog“ und hab dazu nen Rant im Entwürfeordner…)

Ich will nicht abhängig sein von PR-Agenturen oder Firmen oder Werbetexten, die krampfhaft auf Storytelling und Authentizität gemünzt werden. Ich will nicht Trends mitmachen, nur weil das halt gerade gefragt ist und die Mehrheit das sehen will. Ich will nicht nach einem eng getakteten Redaktionsplan posten und mich nebenbei auf Snapchat und Co als #relatable präsentieren.

Am Samstag hat mich ein Blogpost zum Schmunzeln gebracht, in dem die kommerziell erfolgreichen Bloggerinnen mit Orangen verglichen wurden, die ausgepresst werden: „Ich glaube, ich bin keine Orange“.

Das hier soll übrigens kein Hate gegen die „großen“ Bloggerinnen werden! Girls, macht was ihr wollt, haltet euch an die Gesetze, liefert coolen Content ab und alles ist tutti. Mir persönlich ist jetzt bloß klar, dass ich euch um diesen Lifestyle nicht mehr beneide.

 

PS: Ich wollte dennoch schon immer mal on camera ein Paket aufmachen. #lifegoals.

PPS: Was ich eigentlich wissen wollte: Interessiert euch das überhaupt? Würdet ihr gern Einblicke behind the scenes des Sprachblogs bekommen? Oder seid ihr schon genervt von den Bloggern, die übers Bloggen bloggen?

Titelbild: Jay Mantri (CC0)

  1. Ich bin nur genervt von diesen „Bloggen ist ja so anstrengend“-Postings – sonst finde ich es immer interessant, was andere über das Hobby denken oder wie sie was machen (Was mich bei dir persönlich interessieren würde wäre so was wie „Der gute (journalistische) Beitrag“, worauf du achtest, wie du recherchierst, wie du eingrenzt etc.)

    Ansonsten ist es doch immer schön, wenn sich was entwickelt :)
    (Und noch schöner, wenn ich dabei „zugucken“ darf)

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  2. Ich find die Idee mit dem Blog „Sprache ist Integration“ richtig genial und sinnvoll.
    Auch das was du in diesem Beitrag ansprichst kann ich voll und ganz nachvollziehen.
    Mit meinem Blog lege ich mich gar nicht wirklich auf einen Bereich fest und hab einfach nur Lust zu schreiben.
    Das Leben einer „großen“ Bloggerin kann ich mir auch kaum vorstellen, steckt doch denke ich viel weniger Glanz dahinter, als es nach außen den Anschein macht.

    Cheerio!
    Sandy

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