Meine Sehschwäche und ich: eine Hassliebe

Musikunterricht, sechste oder siebte Klasse: Ich habe ein Problem. Ich meine nicht mein absolut fehlendes musikalisches Talent, sondern die verschwommenen Buchstaben an der Tafel. Der chaotische Musikraum mit dem ekligen Filzteppich ist um einiges größer als das normale Klassenzimmer, und mit einigen Metern Abstand zur Tafel kann ich plötzlich nicht mehr lesen, was die Lehrerin an die Tafel schreibt. Oh shit, denkt sich klein Kato, und der Gang zum Augenarzt bestätigt: Kurzsichtigkeit. Eine Brille muss her.

Eine Brille war damals ungefähr das letzte was ich wollte, und der Optiker, bei dem ich meine erste Brille aussuchte, bekam dann auch gleich die pubertäre, passiv-aggressive Bockigkeit zu spüren. Im Nachhinein ist mir das ziemlich peinlich.. Meine erste Brille war randlos, oval, mit blauen Bügeln – also ziemlich hässlich. Hauptsache randlos, denn dann sieht man ja quasi gar nicht, dass man eine trägt – ääh, ne. So funktioniert das nicht. Der Zahn der Zeit und die fortschreitende Sehschwäche forderten die nächste Brille, und auch sie war nicht sonderlich schön und definitiv eher eine Notlösung als ein Wunschmodell. Glücklicherweise wurde ich mit der Brille von meinen KlassenkameradInnen nicht ernsthaft gemobbt – wahrscheinlich, weil Daniel Küblböck gerade in war (2003?) und eine Freundin von mir sich eine Brille mit einem riesigen schwarzen Gestell ausgesucht hatte und die „Brillenschlange!“- und „Küblböck!“-Sprüche abbekam.

Als ich dann endlich mit 18 Kontaktlinsen tragen durfte, war ich heilfroh: endlich keine Brille mehr! Normale Sonnenbrillen im Sommer! Keine ewig beschlagenen Gläser im Winter! Nunja, auch Kontaktlinsen sind nicht die ultimative Lösung bei einer Sehschwäche, und so arrangierte ich mich als mal Brillen- und mal Kontaktlinsenträgerin.

Mein erstes richtiges Brillen-Aha-Erlebnis hatte ich 2011, im zweiten Semester. Meine aktuelle Brille ging mir auf die Nerven und ich war in die Stadt gefahren, um bei den üblichen Verdächtigen (Apollo, Fielmann) nach einer schönen Brille akzeptablen Alternative zu schauen. Zufällig eröffnete an diesem Tag ein neuer Optiker namens eyes + more eine Filiale in Heidelberg, mit überwiegend Eigenmarken-Gestellen und deshalb viel günstigeren Preisen. Das klingt jetzt kitschig, aber: mit mir und meiner Brille war es Liebe auf den ersten Blick. Ich betrat den Laden, sah sie im Regal, setzte sie auf, blickte in den Spiegel und dachte: ja. Die vernünftige Stimme in mir funkte dazwischen: „Nimm doch lieber eine unauffällige, eine zeitlose Brille! Wie wäre es mit der Schwarzen da hinten?“

Die guten, alten Webcamselfies (Anno 2012)

Long story short: es wurden beide. Dank Eröffnungsrabatt zahlte ich für beide rund 160€, also weniger als ich beim großen Händler mit A beim letzten Mal bezahlt hatte.
Zum ersten Mal trug ich eine Brille, die ich wirklich cool fand und mochte. Keine Verlegenheitsbrille, kein bloßes „Hilfsmittel“, um die Sehschwäche auszugleichen, sondern ein Accessoire, das zu meinem Stil passt.

In den vergangenen vier Jahren konnte ich nach Lust und Laune zwischen Linsen, der ‚hippen‘ braunen und der klassischen schwarzen Brille hin und her wechseln. Jetzt wird es Zeit für etwas Neues: Meine Lieblingsbrille ist neulich mehrmals hingefallen und durch die Kratzer untragbar geworden. Ein schöner Vorwand fürs Gewissen, um bei ace & tate zu shoppen. Diesen Shop beobachte ich schon länger mit (bebrillten) Argusaugen (man verzeihe mir die schlechten Wortspiele). Was ich neben dem günstigen Preis und dem sozialen Engagement an ace & tate besonders sympathisch finde: Alle Brillen im Sortiment sind Hingucker. Da gibt es keine unauffälligen Brillen, keine Verlegenheitslösungen. Jedes einzelne Modell schreit durch Form und/oder Farbe: Bäm, hier bin ich!

Dem kostenlosen Home-Try-on sei Dank liegen hier nun vier Brillen, und ich muss mich entscheiden. Eine von diesen, oder eine ganz andere?

oben links: Bryce in Espresso Gradiant, kommt meinem alten Brillenmodell am nächsten, überzeugt mich aber nicht so richtig.

oben rechts: Hudson in Charcoal Gradient. Den Farbverlauf hatte ich mir schöner vorgestellt, und das Modell ist zu groß für mein Gesicht.

unten links: Easton in Desert Camel. Dieses Modell war leider in braun oder schwarz nicht für Home-Try-On verfügbar, deshalb diese komische Farbe. Runde Brillen stehen mir aber nicht, deshalb ist Easton schon aus dem Rennen.

unten rechts: Nina in Rosewood, mein aktueller Favorit!

(Nope, das ist kein gesponsorter Post, ich will einfach nur eure Meinung zu den Brillen wissen, und außerdem würde es mich interessieren, wie die BrillenträgerInnen unter meinen LeserInnen so zu ihren „Sehhilfen“ stehen :))

16 Kommentare

  1. Bei mir war es gerade andersrum. Ich wollte schon seit ich klein bin eine Brille, ich liebe Brillen! Als ich dann beim Augenarzt war (ich war ca. 6), habe ich absichtlich die Buchstaben etc. falsch gelesen, damit ich auch wirklich eine Brille kriege. Natürlich haben die das bemerkt und mich ohne nach Hause geschickt :( In der siebten ging es dann nicht mehr ohne und ich habe endlich meine Brille gekriegt :D

    Am besten gefallen mir übrigens die Modelle 2 und 4. Ich finde 2 auch etwas zu gross, mag aber das Eckige und den deutlichen Farbverlauf. 4 finde ich auch sehr schön, aber vielleicht etwas zu „normal“ oder zu „hipster“? Ich habe das Gefühl, man sieht sie momentan dauernd…

    Antworten

    1. Witzig! Das hab ich ja noch nie gehört :D Ja eckig & Farbverlauf find ich super, hat meine Alte ja auch – allerdings ist das Modell 2 einfach ZU riesig für meinen Kopf. Ist ein Unisex-Modell und sogar bei meinem Freund ist sie zu groß. LG!

      Antworten

      1. Ich habe ein ziemlich rundes Gesicht und eine Brille hilft da eine Kante einzufügen und es interessanter aussehen zu lassen ;) Ausserdem vergrössert sie meine Augen xD

        Das ist ja krass… vielleicht habt ihr einfach besonders kleine Köpfe? :P

        Hast du dich inzwischen entschieden?

        Antworten

        1. Weiß nicht, wie die durchschnittliche Kopfgröße ist.. Aber zumindest bei meinem Freund denke ich nicht, dass er einen kleinen Kopf hat :D Ja, ich nehm die Nina. Muss mich aber erst um einen Sehtest kümmern, bevor ich sie bestellen kann. Eine Blogger-Freundin (Nastassja) hab ich auch schon von Ace & Tate angefixt :D

          Antworten

          1. Definitiv eine gute Wahl. Es ist wirklich eine schöne Brille. Und ja, das mit dem angefixt kann ich absolut nachvollziehen :D

  2. Hey :)
    Also erstmal: Ich finde dir steht die Brille richtig gut! :)
    Meiner Meinung nach die unten rechts am besten :)

    Bei mir war es auch so 5./6. Klasse, als ich beim Augenarzt hörte, ich solle eine Brille bekommen. Dabei ging es mir ähnlich wie dir – ich wollte einfach keine.
    Aber ich musste. Also setzte ich sie auf – und musste einiges über mich ergehen lassen. Schlussendlich weigerte ich mich sie aufzusetzen. Nach einer Weile schleifte mich meine Mutter wieder zum Augenarzt und der sagte nur: So etwas habe ich noch nie erlebt. Deine Augen haben sich verbessert. Sprich: Ich brauche keine Brille mehr! :) Mir stehen die Dinger auch einfach null:D
    Musste ich mich gerade bisschen dran erinnern als ich deinen Post gelesen habe…

    Liebe Grüße
    Lisa

    Antworten

    1. Wow, da hast du ja Glück gehabt! Keine Brille zu brauchen ist einfach so praktisch, zum Beispiel beim Schwimmen… LG!

      Antworten

  3. unten rechts :) !

    oh man von Sehschwäche und Brillen kann ich auch nur meine Augen verdrehen.
    toller Artikel !

    Antworten

  4. Unten rechts! Das Modell ist wunderschön und rahmt deine Augen sehr schön ein. Die Farbe passt perfekt zu deinen Haaren und Augenbrauen, so wirkt die Brille nicht als Störfaktor. :)

    Antworten

  5. Die Geschichte mit der Brille könnte meine sein. Auch sehr lange gehadert, Kontaktlinsen als die Erlösung (mit 16) & heute ganz versöhnt. Mittlerweile auch mit auffälligen Brillen. Bei dir gefällt mir oben rechts am Besten. :-)

    Antworten

  6. Meine Brillengeschichte fing an .. Ich wollte jetzt sagen im April, aber das stimmt so nicht. Bei einem der unzähligen Besuche beim Optiker mit meinen Eltern (beide Brillenträger) probierte ich irgendwann aus Spaß einfach mal Brillen an. Und irgendwie (das mag jetzt arrogant klingen) habe ich total das Brillengesicht. Egal welche Brille ich mir auf die Nase setzte, sie sahen gut aus. Klar, manche besser als andere, aber keine schrecklich.

    So passierte es, dass ich mir regelrecht wünschte eine Brille zu kriegen – nicht, weil ich auf sie angewiesen bin, sondern eher als Accessoire. Eine Brille mit Fensterglas war mir dann aber auch zu peinlich. Anfang dieses Jahres stellte ich dann fest, dass meine Augen „unheimlich schlecht“ geworden sind. Ich ging also zum Optiker und machte einen Sehtest und bäm – unglaublich schlechte Werte von -0,25 und -0,5 ( also quasi gar nichts :D). Ich hatte nun aber endlich den Beweis, dass ich prinzipiell eine Brille bräuchte und konnte es gar nicht abwarten mir ein Gestell auszusuchen und innerhalb einer Woche hatte ich dann meine erste Brille.

    Meine Brillengeschichte ist also etwas ungewöhnlich und manch ein Brillenträger kann sich wahrscheinlich auch nur an den Kopf fassen. Aber so bin ich eben in puncto Brillen :D

    Viele liebe Grüße,
    Julia

    Antworten

    1. Haha, geil! Dass sich dein Wunsch nach schlechteren Augen auch noch erfüllt hat.. Naja, hauptsache du fühlst dich wohl, ob mit oder ohne Brille!

      Antworten

    2. Hey Julia,
      lustige Story – erinnert mich gerade an die Kinder, die immer neidisch auf meine Zahnspange waren, weil sie keine brauchten. Auch wenn das Brillengesicht sich mir bei Weitem besser erschließt :D
      Liebe Grüße

      Antworten

  7. Ich finde auch die rechts unten am schönsten! Steht dir fabelhaft.
    Randlose Gläser sind doch echt die transparenten BH-Träger der Brillenindustrie… Schreck-lich. Das sind Lesebrillen für alte Frauen, mehr nicht. Ich kann im Nachhinein froh sein, dass ganz randlos mit meiner Sehstärke nie möglich war (aufgrund der Glasschleifung), so dass die halb randlose die ich vor meiner jetzigen hatte auch auf alten Fotos noch ganz akzeptabel aussieht. Meine jetzige Ray Ban mag ich auch so gerne wie du deine erste coole Brille – und es ist erst die zweite, mit der ich wirklich happy bin. Meine Sehschwäche wurde mit 3 Jahren bemerkt und Kontaktlinsen waren mit der Stärke und Verkrümmung nie bezahlbar (Sonderanfertigung), deshalb hatte ich bestimmt schon 10 Brillen in meinem Leben und eigentlich waren alle furchtbar – bis Brillen wieder modern wurden und ich welche kaufen konnte, die mir standen. Ich gefalle mir inzwischen mit Brille besser als ohne.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.