Pendeln für Fortgeschrittene

Jeden Tag zwei Stunden oder noch länger in öffentlichen Verkehrsmitteln zu sitzen, um zur Uni und zurück zu pendeln, ist zugegebenermaßen keine attraktive Vorstellung. Wenn KommilitonInnen erfahren, dass ich rund vierzig Kilometer von der Uni-Stadt entfernt wohne, bekomme ich in der Regel mitleidige Blicke.

Ganz ehrlich? Ich habe mich mit dem Pendeln mittlerweile angefreundet. Ausfallende Züge oder nicht gerade geruchsneutrale Mitreisende  können einem die Reise schonmal vermiesen, aber in der Regel habe ich Glück mit leeren (und pünktlichen) Zügen. Dadurch habe ich pro Pendel-Tag etwas mehr als 60 Minuten, die ich produktiv nutzen kann. Eine Stunde, die ich für Uni-Arbeit oder sonstige Projekte nutzen kann, ohne dass ich das Gefühl habe, das dabei meine Freizeit drauf geht; ohne Ablenkung durch Netflix und Co.

In den letzten Monaten habe ich ein paar Methoden entwickelt, um das Arbeiten im Zug so unkompliziert wie möglich zu machen. Schließlich hat man (a) nicht so viel Platz und (b) keine Lust, unnötiges Gewicht mit sich herumzuschleppen.

Deshalb kommt jetzt eine Art „Whats in my Bag: Uni Edition“ – nur dass ich diese Art von Posts eigentlich ziemlich schwachsinnig finde und nicht davon ausgehe, dass sich irgendjemand dafür interessiert, was in meiner Tasche herumfliegt.. Deshalb erkläre ich lieber, warum ich es mitnehme und wie es mir die Arbeit erleichtert.

Muss es der Laptop sein?

Ich habe regelmäßig meinen 14″-Laptop mit in die Uni geschleppt, um während der Fahrt und Freistunden recherchieren oder schreiben zu können. Mittlerweile nutze ich dafür mein älteres Nexus 7-Tablet. Es ist kleiner und leichter, der Akku hält länger und mit ein paar Apps und Kniffen ersetzt es den Laptop problemlos:

Lesen und Schreiben: Für kurze Notizen oder To-Do-Listen nutze ich auf Handy, Tablet und PC Evernote. Wer ein „richtiges“ Textverarbeitungsprogramm braucht, das auch Formatierungen erlaubt, kann sich zum Beispiel für Android WPS Office (ehemals Kingsoft Office) anschauen. Heißer Tipp für Studierende: Schaut nach, ob eure Uni am „Office für Bildung„-Programm teilnimmt! Über die Firma co.tec könnt ihr dann spottbillig Microsoft Office beziehen. Bei mir an der Uni bezahlt man rund 5€ pro Jahr und kann dafür Word, Excel, Powerpoint etc an bis zu fünf verschiedenen Geräten nutzen. Deshalb läuft auch auf meinem Tablet Word und ich konnte tatsächlich im Zug an meiner Hausarbeit weiterschreiben. PDFs lese und markiere ich mit dem normalen Adobe Reader.

tablet

Längere Texte zu tippen ist auf Touchdisplays natürlich kein Vergnügen. Da hilft eine externe Tastatur, die über Bluetooth mit dem Gerät gekoppelt wird. Meine ist von Rapoo und war ein Spontankauf im Elektromarkt für 40€. Im Internet gibt es solche Tastaturen mit Sicherheit günstiger. Achtet beim Kauf auf die Komptabilität, anscheinend gibt es Geräte NUR für iOS, Android oder Windows OS. Meine Tastatur ist batteriegetrieben, genauso groß und flach wie meine Tastatur zuhause und ließ sich problemlos koppeln. Gefällt mir auf jeden Fall!

Synchronisation & Daten: Die Dateien, die ich brauche, synchronisiere ich zuhause per USB oder lege sie in die Dropbox. Auch Evernote synchronisiert sich automatisch. Noch ein Tipp: auch SD-Karten und USB-Sticks lassen sich am Tablet verwenden. Eventuell muss eine App installiert werden, die dann das Speichermedium ‚öffnet‘. (Anleitung) WLAN beziehe ich über die Uni. Es gibt auch Tablets mit mobilem Internet, aber das halte ich persönlich nicht für notwendig.

Zum Lernen mit virtuellen Karteikarten empfehle ich Anki – darüber habe ich bei den Karteikarten-Lerntipps schonmal geschrieben.  Wenn der Tag doch mal länger wird, nehme ich ein Akkupack mit, das via USB sowohl mein Smartphone als auch das Tablet aufladen kann. Alles zusammen ist noch immer leichter und handlicher als der Laptop plus Stromkabel!

Gewicht sparen – oder: Büroklammern sind super

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Meine Vorlesungsunterlagen, Texte und Materialien organisiere ich in der Regel in Ordnern und Schnellheftern – da bin ich sicher nicht die einzige, oder? Die komplette Mappe braucht man während der Vorlesung oder beim Lernen jedoch selten.

Deshalb reicht es, immer nur die aktuellsten Texte oder Skripte mitzunehmen – man behält den Überblick und spart Gewicht. Die DIN A4-Mappe schützt vor Knicken und die Büroklammern verhindern das große Zettelchaos.

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Die originellen Sprechblasen-Büroklammern gibt es übrigens bei IKEA. Allerdings sind sie etwas zu stark für empfindliches Papier. Noch ein cooles Mini-DIY von odernichtoderdoch: Befestigt kleine farbige Wimpel mit Washi-Tape an den Enden. So lassen sich wichtige Textstellen unkompliziert markieren.

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Wichtig ist auch, realistisch einzuschätzen, was man alles in der Pendel-Zeit erledigen kann: Das Buch zuende lesen? Ein Exzerpt zur Studie schreiben? Vokabeln der letzten drei Lektionen lernen? Mehrere Sachen mitzuschleppen und dann doch nicht fertig zu kriegen sorgt nur für Frust und Ballast. Deshalb habe ich mir angewöhnt, zwei bis maximal drei verschiedene to-dos einzupacken.

Auch beim Etui gilt: weniger ist mehr. Ein großes Mäppchen verleitet dazu, Dinge einzupacken, die man gar nicht braucht. Dieses kleine Etui (HEMA) reicht mir völlig mit zwei Textmarkern, zwei oder drei gut schreibenden Stiften, einem Bleistift  und Radiergummi; dem obligatorischen USB-Stick für Uni-Texte und vielleicht noch einem Haargummi oder Lippenpflege.

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Die Rollerball-Stifte Slider Edge XB und Slider Memo XB von Schneider sind zurzeit meine Favoriten. Sie schreiben flüssig, ohne zu schmieren. Der dünne Textmarker von HEMA ist auch nicht schlecht!

Arbeitsplatz Zug

„So wenig wie nötig mitnehmen“ und „Gewicht sparen“ habe ich ja jetzt schon mehrmals wiederholt – aber noch etwas muss beachtet werden, wenn man im Zug arbeiten oder lernen möchte: Es rumpelt. Egal ob der Zug ruckelt oder einen der Sitznachbar anstößt: Handschriftliches Schreiben wird im Zug oft nicht so schön. Statt die wichtigsten Punkte aus einem Text abzuschreiben, kann man aber auch mit Markierungen oder Abkürzungen arbeiten: „!“ für wichtige und „?“ für unklare Stellen, „Def.“ für Definitionen, Unterstreichungen in rot für Namen und blau für Orte; Textmarker für wichtige Passagen…

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Auch magnetische Lesezeichen und Mappen mit Gummizug sind praktische Helfer, damit auf engem Raum nichts herunterfällt oder verloren geht.

[blue_box]Hoffentlich helfen diese Tipps der/dem ein oder anderen, Pendelstrecken besser zu nutzen. Aber hey, es ist natürlich auch okay, mal eine komplette Bahnfahrt lang nur aus dem Fenster gucken![/blue_box]

Titelbild via Unsplash (CC0) von Geoffrey Arduini.

6 Kommentare

  1. Ein toller Artikel. Ich denke, jemand der noch nie gependelt ist, wird nie verstehen können, wie sich Pendler mit solchen langen Anfahrtswegen arrangieren.
    Ich arbeite selbst seit über 5 Jahren rund 50 km von meinem Wohnort weg und pendle jeden Tag in der Woche. Von Haus zu Haus brauche ich für die Strecke hin und zurück insgesamt rund 3 Stunden (Laufwege von und zum Bahnhof eingerechnet). Ich nutze die Zeit im Zug auch sehr effektiv für Dinge, zu denen ich zu Hause keine Zeit habe. Wenn ich ein Buch lese, dann im Zug auf dem iPhone über meine Kindle-App. Ich plane im Zug die Wocheneinkäufe und den Haushalt, speichere alles in der App „Wunderlist“ und da mein Mann hier auch direkt Zugriff hat, kann er, wenn er zwischendurch zeit hat, die Dinge erledigen, die auf der Liste stehen. Ich sehe dann sofort, was er schon erledigt hat. So planen wir effektiv unseren Tag und teilen uns die Aufgaben.
    Was ich ausserdem noch gerne im Zug mache, sind sämtliche Social Media Aktivitäten rund um meinen Blog.
    Ich habe mich an das Pendeln sehr gut gewöhnt und bin manchmal wirklich froh über die Zeit, die ich im Zug einfach ganz für mich alleine hab.
    Liebe Grüße
    Dila

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    1. Wow, das klingt in den Tat sehr effizient! Einkaufslisten schreibe ich auch oft in der Bahn :) Die App Wunderlist hatte ich auch mal installiert, aber irgendwie nicht genutzt und dann wieder gelöscht.

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  2. Hallöchen :)

    Ich bin selbst Pendlerin und muss sagen, dass deine Tipps echt super sind! Es braucht zwar eine Weile, um sich an den ‚Arbeitsplatz Zug‘ zu gewöhnen, aber es lohnt sich sehr. Ich bin immer wieder überrscht, wie viel ich in ‚der einen Stunde‘ schaffe!

    Liebe Grüße
    Alexandra :)

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  3. Hey,

    vielen Dank für den tollen Text. Es ist schon erstaunlich, wie erfinderisch man irgendwann wird, wenn man so lange mit dem Zug fährt. Ich bin auch eine Zeit lang gependelt. Allerdings alle zwei Wochen für 5-6 Stunden die einfache Fahrt. Und auch ich habe es geschafft, mein Reisegepäck so zu optimieren, dass ich meist mit nur einer einzigen Tasche ausgekommen bin. Da war dann auch alles wichtige dabei. Netbook (mein Laptop war mir auf Dauer auch zu schwer), wichtigste Texte und die wichtigsten Bücher. Ganz ähnlich sortiert wie bei dir. Mein Mäppchen ist schon seit Jahren sehr klein und überschaubar.
    Lustig finde ich auch, wie gezielt man beginnt, die „guten“ Arbeitsplätze anzusteuern. Ich liebe z.B. das Ruheabteil in ICEs, und habe auch sonst immer einen automatischen Blick auf die wenigen „Steckdosenplätze“ :D

    liebe Grüße, viel Spaß weiterhin beim Pendeln :-)
    Sabi

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  4. Hejhej,
    ich kenne das nur zu gut. Ich lebe 50 Minuten Zugfahrt von meiner Uni entfernt und an Tagen, an denen ich zusätzlich gearbeitet habe, war ich manchmal drei Stunden in der Bahn unterwegs. Heute fahre ich „nur“ noch eine Stunde Bus am Tag. Aber ich erwische mich schon dabei, dass ich häufig denke „auf die SMS antwortest du später im Bus“. Ansonsten nutze ich die Zeit zum Lesen, Hörbuch hören, Texte vorzubereiten und Emails zu schreiben. Und manchmal starre ich tatsächlich nur aus dem Fenster und versuche mich zu entspannen.

    Liebe Grüße
    Nina

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