Wie das erste Stuttgart Festival beinahe vom Winde verweht wurde

„Ein neues Festival! In Stuttgart! Mit meiner isländischen Lieblingsband FM Belfast! Geilo!“ – Ungefähr das ging mir durch den Kopf, als ich das erste Mal irgendwo auf Facebook vom Stuttgart Festival las. Obwohl ich das Formular viel zu spät einsendete, bekam ich noch eine Akkreditierung (dankeschön!) und konnte für euch Eindrücke vom ersten Stuttgart Festival sammeln. 

Verteilt auf zwei Tage (24. & 25.7.) und drei Bühnen standen über 40 lokale und internationale KünstlerInnen, Bands und DJs auf dem Timetable. Das Festival fand unter freiem Himmel und abseits vom Stadtzentrum auf dem Gelände der Messe Stuttgart statt. Neben der Livemusik stand mit der World of Art und dem Art Market auch die Kunst im Mittelpunkt.

Der Art Market bestand aus vielen separaten Zelten, in denen Kleidung, Schmuck und Accessoires; Deko-Artikel und Schreibwaren verkauft wurden – selbstgemacht („Boah, hier ist ja halb DaWanda vertreten„- eine Festivalbesucherin) und häufig irgendwie fair, organic oder sonstwie nachhaltig. Allein für fair produzierte Kleidung waren vier oder fünf Shops vertreten – um ehrlich zu sein habe ich da den Überblick verloren. Der Art Market lud die BesucherInnen dazu ein, zwischen zwei Acts ein wenig zu stöbern und war die meiste Zeit über gut besucht.

Stuttgart Festival (1)

Ein paar Meter weiter Richtung Main Stage waren im World of Art-Bereich Künstler live am Werk: Graffitis, Upcyclings, Street-Art und zu späterer Stunde auch Lichtinstallationen.

Der mit Abstand beliebteste Essensstand
Der mit Abstand beliebteste Essensstand – die Schlange war später mindestens fünf Mal so lang!

Selbstverständlich gab es auch jede Menge Essens- und Getränkestände mit fairen Preisen: 4€ für Bier, 3€ für Softdrink und 1,50 für Wasser von Viva con Agua. Die Wasserinitiative war an mehreren Stellen des Festivals präsent und sammelte Pfandbecher als Spende für ein Wasserprojekt in Uganda.

Viel zu trinken war am Freitag definitiv wichtig: Die Sonne meinte es (zu) gut mit den FestivalbesucherInnen und AusstellerInnen und bei über 30 Grad waren die Schattenplätze begehrt. Wer Glück hatte, ergatterte ein Hängemattenplätzchen in der Übermorgen-Lounge. Das Stuttgarter Magazin rund um Nachhaltigkeit bot an seinem Stand nicht nur Sitzgelegenheiten für tanzmüde FestivalbesucherInnen, sondern auch eine Möglichkeit, den Smartphone-Akku aufzuladen. Sehr, sehr geil.

Stuttgart Festival (11)
Hängematte mit Main Stage im Blick – nice

Generell fand ich das Sponsoring beim Stuttgart Festival sehr gut ausbalanciert: Die Hauptsponsoren drückten den BesucherInnen nicht einfach nur mit Werbung bedruckte Flyer in die Hand, sondern konnten wirklich etwas „bieten“. So gab es bei Smart Schließfächer für Wertsachen oder beim Art Market erworbene Schätze, und beim Chupa Chups Stand konnte sich der/die geneigte BesucherIn trendige Flash Tattoos auf die Haut zaubern lassen.

Stuttgart Festival (13)

Das Gelände wurde von den rund 6000 Besuchern am Freitag gut ausgefüllt – es war zwar ‚was los‘, ist sich aber nicht auf die Füße getreten oder musste an den Ständen lange warten. Sowohl das Securitypersonal als auch die MitarbeiterInnen an den Getränkeständen waren super freundlich und trotz der Hitze sehr entspannt. Ich habe die Atmosphäre unter den BesucherInnen als sehr positiv empfunden.

Stuttgart Festival (6)

Stuttgart Festival (14)Stuttgart Festival (3)

Mein Highlight am Freitag (leider, leider war ich am Samstag verhindert) war die isländische Band FM Belfast. Die Isländer versprühen jede Menge Energie und brachten die Menge zum tanzen, lachen, mitsingen und Konfetti versprühen:

Stuttgart Festival (2)

Stuttgart Festival (16)

… und dann kam der Sturm

(Vorweg gesagt: Ich hatte das Festivalgelände bereits verlassen und kann von den Geschehnissen am Abend nur aus zweiter Hand berichten.) Am Freitagabend zog ein Unwetter mit Sturmböen bis zu 85 km/h auf und zwang die Veranstalter, das Event vorzeitig zu beenden und das Gelände zu evakuieren. Auf der kleineren Bühne musste Dillon ihr Konzert abbrechen, die Headliner Crystal Fighters betraten die Bühne gar nicht erst. Unter den Besuchern sorgte das natürlich für Unzufriedenheit, und als die Veranstalter dann auf Facebook verkündeten, dass das Festival am Samstag später als geplant beginnen würde, häuften sich wütende Kommentare unter den Facebook-Posts: Mit dem schlechten Wetter hätte man ja wohl rechnen können, 40 Euro für ein halbes Festival seien ganz schön teuer, und warum konnten die Konzerte nicht einfach in die angrenzenden Messehallen verlegt werden?

Klar verstehe ich, dass die Leute sauer sind, wenn sie fürs Festival eine lange Anfahrt in Kauf genommen haben oder ihr Lieblings-Act abgesagt wurde. Allerdings stellen sie sich die Organisation eines zweitägigen Festivals offensichtlich viel zu einfach vor. Der Sturm hat nicht nur dem Stuttgart Festival, sondern auch anderen Events (zum Beispiel dem Juicy Beats Festival in Dortmund) einen Strich durch die Rechnung gezogen – bei Gewitter und Windstärke 9 steht die Sicherheit der BesucherInnen nunmal im Fokus. Dazu muss man im Hinterkopf behalten, dass es sich um ein Debüt handelt. Wenn das Festival weitergelaufen wäre und es Verletzte gegeben hätte, könnten wir uns 2016 mit Sicherheit nicht auf die zweite Ausgabe freuen. Von daher hat das Organisationsteam auf jeden Fall richtig gehandelt. Glücklicherweise gibt es auf Facebook auch positive Stimmen, die die Entscheidung und die Organisation loben.

Den Stimmen und Bildern zufolge hat sich die Stimmung am Samstagabend auf jeden Fall noch super entwickelt – ich bedaure, Bonaparte, Mount Kimbie, (Roosevelt), Kakkmaddafakka und die anderen Acts verpasst zu haben und hoffe auf ein zweites Stuttgart Festival im nächsten Sommer.

Noch ein paar Impressionen:

Stuttgart Festival (7)

Stuttgart Festival (8)
Alle hinsetzen…
Stuttgart Festival (10)
… und springen!

Stuttgart Festival (15)

Stuttgart Festival (17)

Stuttgart Festival (18)
Stuttgart Festival (5)

[grey_box]Nochmals vielen Dank an das Orgateam für die Presse-Akkreditierung. Es war mich das erste Mal, auf einem Festival (und direkt vor der Bühne) zu fotografieren und es gibt Leute, die das tausend Mal besser können. Wer mehr Fotos vom Festival sehen möchte, kann die Alben auf der offiziellen Facebook-Seite des Festivals durchblättern, die wundervollen Fotos von o711blog bewundern oder auf Instagram durch die Schnappschüsse unter dem Hashtag #stuttgartfestival stöbern.[/grey_box]

Weitere Blogposts übers Stuttgart Festival:

3 Kommentare

  1. Hallo Kato, toller Beitrag zum Stuttgart Festival und deine Bilder gefallen mir super gut! Merci fürs verlinken. Liebe Grüße aus dem WOLF CLUB, Lisa

    Antworten

  2. Für’s erste Mal könnten die Eindrücke doch nicht besser sein! Nah dran und total authentisch… Und auch das Festival an sich klingt toll. Schade, dass ich nicht mal in der Nähe wohne, aber Ende August werd‘ ich mir immerhin Stuttgart mal genauer anschauen :)

    Antworten

  3. Immerhin habt ihr tolle Acts mitbekommen. Es gab dises Jahr schon das eine oder andere Festival, was komplett abgesagt wurde. Da hattet ihr immerhin noch mehr Glück :) Übrigens, bei uns war es auch ziemlich stürmisch als wir in Dänemark waren!

    Gruß
    Jan

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.