Wenn nicht du, wer dann?

2000/2001. Grundschule. Mitten im Sachkundeunterricht geht die Tür auf. Meine Sachkundelehrerin schaut verblüfft, als die Rektorin, Frau I., um „ein bisschen Zeit für eine wichtige Sache“ bittet. Offenbar unabgesprochen crasht Frau I. die Stunde, um uns Viertklässlern etwas über Bolivien zu erzählen. Die Kinder in bunter Wollkleidung, die in den Anden leben. Die Mädchen mit den langen, schwarzen Zöpfen, die nicht genug zu essen haben. Die Spendensammlungen, die Frau I. regelmäßig organisiert.

Als Zehnjährige bin ich noch zu klein. Ich verstehe nicht, was genau in Bolivien abgeht. Außer, dass es den Kindern dort nicht so gut geht wie uns und dass wir uns anstrengen sollten beim Spendenlauf.

Wenige Jahre später. Sekundarstufe I. Eine meiner beiden besten Freundinnen ist leidenschaftliche Tierschützerin. Zu dritt gründen wir eine Jugendabteilung von Greenpeace und melden uns bei einer Spendenaktion der örtlichen Sparkasse an. (Super kreativ: Müll sammeln…) Die 500€, die wir mit unserer Teilnahme verdient haben, spenden wir dem Tierheim der Stadt. Vor Dankbarkeit lassen sie uns einen kleinen Stand am Tag der offenen Tür aufbauen. Wir fragen bei Greenpeace nach Flyern und Infomaterial zum Thema Tierversuche und lernen, dass Greenpeace lieber gegen Atommüll und Gentechnik kämpft. Naja, Unterschriften haben wir am Stand trotzdem gesammelt. (Und ehrlich gesagt war das das einzig Nennenswerte, das wir in unserer „Abteilung“ zustande gebracht haben.)

Jetzt bin ich doppelt so alt. Um ehrlich zu sein, habe ich in den letzten Jahren weder über die armen Kinder in Wollmützen nachgedacht, noch über Beagles in Drahtkäfigen. Ich verstehe aber die Leidenschaft, mit der sich meine Schulleiterin und meine Freundin dieser Themen annahmen.

In dieser Welt läuft so vieles falsch, aber dieser eine von tausend Missständen hat sie gepackt und lässt sie nicht mehr los. Das Hirn fordert mehr Infos, und je mehr man über die Kinderarbeit in Bolivien und die grausamen Versuche lernt, desto mehr protestiert das Herz.

Das kann doch nicht sein! Da muss man doch was gegen tun!
Wieso macht denn keiner was dagegen?

Ja, gute Frage. Warum eigentlich nicht? Wenn ein Missstand dich so sehr einnimmt wie Frau I. und Lena, dann kannst auch du etwas machen.

Was fuchst dich?
Was willst du ändern?
Was hast du erfahren, was sollte publik gemacht werden?
Welche Idee hast du, um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen?

Erzähl mal. Mach mal. Wenn nicht du, wer dann?


Bitte bitte erzähl mir, welche Idee dir spontan in den Sinn gekommen ist! Das würde mir viel bedeuten. Danke. K.

3 Kommentare

  1. Dass wir alle gleichwertig sind und alle Liebe, Vertrauen, Respekt und Frieden verdienen.

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    1. Und das ‚wie‘ liegt bei jedem selber. Vorbild sein und den Mut entwickeln, auch mal für jemanden geradestehen oder gegen jemanden den Mund aufzumachen.

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      1. Liebe Anja, das ist eine schöne Vision. Den Mund aufzumachen ist manchmal gar nicht so leicht. Ich hoffe, du hast viel Mut und kannst viel davon weitergeben.

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