YouTuber hautnah: Goeerki

Im Rahmen der Veranstaltung „Medienprofis hautnah“, organisiert von der Fachschaft Medienwissenschaft der Uni Tübingen, kam ein waschechter YouTube-Star am 9. Dezember ins beschauliche Studentenstädtchen am Neckar und plauderte in einer offenen Fragerunde erstaunlich ungehemmt aus dem Nähkästchen.

 

Vor mehr als drei Jahren lud Christoph „Goeerki“ Gehrke seine ersten Clips auf die Videoplattform YouTube: Trainingsvideos für zuhause, mit einer Aldi-Tüte in der einen und einer Lidl-Tüte in der anderen Hand. Was nicht ganz ernst gemeint und als Promo für seinen Fitness-Blog gedacht war, ist mittlerweile zu seinem Beruf geworden. Knapp 130.000 Abonnenten auf YouTube, dazu noch zahlreiche Follower auf Facebook, Twitter und Instagram wollen Christophs alias Goeerkis Fitness- und Ernährungstipps sehen.

Kann man davon leben? Ja, Goeerki kann.

Bei einem Bürojob hat er gemerkt, dass er auf keinen Fall in einem Beruf enden möchte, der ihn zwingt, jeden Tag acht Stunden vor dem PC zu sitzen. Mit seinem aktuellen Hauptberuf YouTube hat er da so ziemlich das Gegenteil: er kann ausschlafen (was ihm anscheinend ziemlich wichtig ist) und relativ spontan den Tag planen, Videos machen oder auch für eine Kooperation in eine andere Stadt fahren. Das Training ist nun nicht mehr nur ein Hobby, sondern sein Beruf.

Wenn er beim Restaurantbesuch mit Freunden sein Essen fotografiert und bei Instagram postet – ist das dann Arbeit oder Freizeit? Christoph gibt selber zu, dass es schwierig ist, das Smartphone einfach mal wegzulegen. Noch kurz die Mails checken und die Kommentare zum neuesten Video lesen, Selfie hier, Facebook-Post da. Social Media kennt keinen Feierabend. Reich wird man von Adsense nicht, so Christoph. Die meisten Einnahmen werden über Kooperationen und Sponsoringverträge erzielt. Mit seinem Gesamt-Einkommen scheint er recht zufrieden zu sein.

Im Publikum sieht man ziemlich genau, wer ein MeWi-Student ist und wer sich regelmäßig Goeerkis Videos anschaut und dessen Bizepsumfang anpeilt. Dementsprechend fallen die Fragen auch unterschiedlich aus: Es wurden Fragen zu Christophs Fitness-Zielen für 2015 und neuen Video-Kategorien gestellt, aber auch wie man mit YouTube Geld verdienen kann und er sich seine Zukunft vorstellt. Überraschend offen plaudert er über sein Netzwerk Mediakraft, (vermeintliche) Freundschaften auf YouTube und sein Image.
Es wird ziemlich deutlich, dass ihm bewusst ist, dass er nicht bis zur Rente von seinen Videos leben kann, und dass er bereits daran arbeitet, die Marke Goeerki auch außerhalb des Video-Kosmos‘ zu etablieren.

Womöglich ist das das Geheimnis der „erfolgreichen“ YouTuber – sie müssen originell und authentisch genug sein, um ihre eigenen Ideen und ihren eigenen Content zu generieren, und gleichzeitig realistisch genug, um sich frühzeitig um ihr Leben und ihre Karriere außerhalb des Videoportals zu kümmern.

Christopher wirkt dabei sehr ehrlich, sehr reflektiert und sehr viel sympathischer als in seinen Videos. Es war wirklich wahnsinnig interessant, ein Mitglied der deutschen YouTube-Szene offline zu erleben. Die Veranstaltung wurde übrigens gefilmt – ein paar Ausschnitte hat er auf seinen Kanälen Goeerki und GoeerkiTV veröffentlicht:

Fotos: Wolfgang Fanderl. Danke auch an die FS Medienwissenschaft!

3 Kommentare

  1. Tolle Idee! Ich habe gerade gesehen, dass wir wohl etwas recht ähnliches studieren und muss mir deinen Studiengang gleich mal genauer ansehen – ich studiere seit September Online Kommunikation an der HS Anhalt und habe deinen Master beim Bewerben wohl ganz übersehen. Gefällt es dir denn?

    Viele Grüße, Ally

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    1. Hallo Ally! Mein Master gefällt mir richtig gut! Wir machen einen Rundumschlag durch die verschiedenen Bereiche der Medienpraxis (zum Beispiel habe ich im Moment ein Recherche-Seminar mit einem Spiegel-Journalisten) und auch Theorien, Methoden und Medienforschung. Der Master ist nicht-konsekutiv, vielleicht hast du ihn deshalb bei der Suche übersehen? Online-Kommunikation klingt aber auf jeden Fall auch spannend! LG, Kato

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  2. YouTuber sind echt ein Phänomen! Ich suche gerade nach europäischen Vloggern für meine Blogkonferenz The HIve.

    Einige haben ganz unglaubliche Zahlen und die haben sich viel schneller organisiert als Blogger. Da fliesst richtig Geld. Leider haben sich einige an ein Management gebunden und antworten nicht mal auf Mails von Unternehmen oder Konferenzen, die werden kommentarlos an das Management weitergeleitet.

    Y.

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