Zum Umgang mit Hasskommentaren im Netz

Social Media Manager haben es heutzutage nicht leicht – vor allem nicht diejenigen, die bei Nachrichtenportalen oder anderen Medienunternehmen arbeiten. Ihr Joballtag ähnelt immer mehr dem von SozialerarbeiterInnen, die eine Horde aggressiver und verhaltensauffälliger Jugendliche bändigen müssen.

Eine Meldung über Geflüchtete? 3, 2, 1 – schon sind die fleißigen Kommentarschreiberlinge am Werke und verbreiten fremdenfeindliches Gedankengut, streuen Gerüchte, schimpfen auf die unfähigen Politiker da oben und die gesteuerten Journalisten (Lügenpresse!!eins) sowieso; garniert mit ein paar Ausrufezeichen und Rechtschreibfehlern zu viel.

Hasskommentare im Netz sind mittlerweile allgegenwärtig. Manchmal juckt es mir in den Fingern, mitzudiskutieren – aber letztlich ist es besser für meine Nerven, einfach weiter zu scrollen.

Bringt das Diskutieren überhaupt was? Oder sollte man es nur tun, damit „die“ nicht denken, sie seien tatsächlich das Volk? Wenn der Großteil einer Minderheit aktiv ist, aber nur wenige aus der Mehrheit dagegen ankämpfen, …? Ja, was dann? Wenn der Klügere nachgibt, regiert irgendwann der Dumme“ schrieb (bzw. zitierte) Rebecca kürzlich zu diesem Thema.

Im Fadenkreuz

Mittlerweile befinde ich mich in der Position, dass ich die aggressiven Kommentare nicht nur als Dritte erlebe, sondern sie direkt gegen mich bzw. das, was ich im Netz publiziere, gerichtet sind.

Im September habe ich ja DaF für Flüchtlinge gegründet, bestärkt von der #bloggerfuerfluechtlinge-Inspirationswelle und mit dem Ziel, mehr Ehrenamtliche dazu zu bewegen, sich in der Sprachförderung zu engagieren und ihnen dabei Tipps an die Hand zu geben.

Zusätzlich habe ich auf meinem verwaisten YouTube-Kanal ein paar Videos hochgeladen und eine Facebook-Seite erstellt, davieles aus der #bloggerfuerfluechtlinge-Initiative auf Facebook passiert und man so auch Leuten, die nicht blog-affin sind, eine unkomplizierte Möglichkeit zum abonnieren bietet.

Die ersten paar Wochen verliefen ruhig – ich erhielt einige nette und bestärkende Kommentare, vor allem aber E-Mails von Menschen, die sich für die Tipps bedanken, weitere Fragen haben oder gerade ähnliche Projekte anstoßen. Dass irgendwann auch negatives Feedback (was für ein Euphemismus) kommen würde, war klar – vor allem auf YouTube, das für besorgte AluhutträgerInnen wohl das liebste Medium ist. Auf die Facebook-Seite hat sich heute der Erste verirrt, was auch mehr oder weniger Auslöser für diesen Text ist. (Auf dem Blog war bisher nichts – wahrscheinlich zu viel Text für derartiges Klientel ;))

youtube_kommentar

Ich muss zugeben, dass mir die ersten Kommentare auf YouTube schon einen Stich versetzt haben. „Ignorier die Idioten einfach“ ist nunmal leichter gesagt als getan. Die Frage „ignorieren oder diskutieren?“ stellt sich bei Kommentaren auf der eigenen Seite auch dringender als in den Kommentarspalten von Spiegel Online und Co. Beziehungsweise hat man jetzt ja noch weitere Optionen: kommentarlos löschen oder die User sperren.

Ich habe für mich entschieden, dass ich derartige Kommentare einfach so schnell wie möglich löschen und die User blockieren werde. Diskussionen halte ich für wenig fruchtbar; vor allem, wenn bereits Beleidigungen gefallen sind. Darüber hinaus möchte ich nicht über einen gewissen Rahmen hinaus provozieren. Ich kann mich nämlich weder hinter anonymen, mit zwei Klicks erstellten Social-Media-Accounts verstecken; noch habe ich den Rückhalt einer Redaktion bzw. eines Unternehmens hinter mir wie eine Journalistin.

Alle gegen eine?

Heutzutage kann man ja sogar Hundekacke im Internet bestellen, und es ist genauso ein Leichtes, meine Adresse herauszufinden. Wenn jemand das, was ich im Internet so von mir gebe, also scheiße findet, könnte er mir selbige problemlos auf die Fußmatte liefern lassen. Mindestens genauso unangenehm finde ich die Vorstellung, dass sich die „Asylkritiker“ und Pegidisten vernetzen und gezielt einzelne Seiten mit ihrem Bullshit fluten. Facebook und Co leben ja davon, dass Kommentare direkt und unmoderiert sichtbar werden. Und selbst wenn ein Account gesperrt wird – ein neuer ist ja im Handumdrehen erstellt.

Ja, ich gebe zu, dass mir diese Vorstellung ein mulmiges Gefühl in der Magengegend verursacht. Aber was ist die Alternative? Nichts mehr veröffentlichen? Nein, das ist keine Alternative.

[alert]Falls jemand von euch auch über Flüchtlinge oder andere polarisierende Themen schreibt: Wie geht ihr mit Hasskommentaren und Trollen um? Euer Feedback würde mich sehr interessieren.[/alert]

Titelbild: CC0 via unsplash.com

4 Kommentare

  1. Ja, auch als Feministin muss man viel Scheiße einstecken. Ich habe für mich aber eine gute Lösung gefunden: auf meinem Twitter-Account ignoriere ich Arschlöcher und blockiere sie sofort. Ich antworte nicht, da das ein unnötiges Hin-und-Her provoziert. Auf der Facebookseite meines feministischen Projekts mache ich es so, dass ich Hasskommentare lösche und ggf. auch Leute blockiere ohne groß darauf einzugehen. Wenn Kritik von anderen Feminist_innen oder Gleichgesinnten kommt, kann man diskutieren, das ist keine große Sache und man einigt sich eventuell. Es gibt ja auch ’nen Unterschied zwischen berechtigter und sachlich dargelegter Kritik als so einen „boah seid ihr dumm, recherchiert mal“ Kommentar (hatten wir schon). Man kriegt aber irgendwann ein Gefühl dafür, wo es sich zu diskutieren lohnt und wo nicht.
    Negatives geht mir sehr nahe und bleibt sehr lange in meinem Kopf. Aber mit dem Ignorieren gebe ich dem Ganzen nicht so viel Kraft und es kann irgendwann verschwinden und tut nicht mehr so weh.

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  2. Dein Reaktion, die User zu blockieren und die Kommentare zu löschen, finde ich gut! Letztendlich hast du auch wirklichrecht, dass eine Diskussion die Sache nicht weiterbringt, sondern eventuell vielleicht verschlimmert. Ich hoffe diese Art an negativen Kommentaren lässt bald nach und wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Blog.

    Liebe Grüße
    Meike

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    1. Hallo Meike,
      vielen Dank!
      Falls jemand mal einen konstruktiven kritischen Kommentar schreibt, würde ich da natürlich drauf eingehen… Aber bisher kamen nur lobende Worte oder eben gleich Beleidigungen und Co.
      Viele Grüße, Kato

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  3. Danke für deine Ausführungen. Das hat mir sehr geholfen, mich nicht so alleine zu fühlen.

    Ja, es geht vielen Social Media ManagerInnen so – auch mir. Ich habe mir einfach gewisse Regeln festgelegt und diese möglichst auch in der Organisation durchgesetzt: Kritik wird beantwortet, solange sie sachlich ist. Sobald sie Beleidigungen oder Rassismus enthält, wird gelöscht. Ich habe das hier ganz ähnlich wie du ausführlicher beschrieben: https://gregorkrenker.com/2016/08/08/umgang-mit-hasskommentaren-facebook-fluechtlinge/

    Hier in Wien hat es gestern eine Enquete zum Thema „Digitale Courage“ gegeben. Hier gibt es also Entwicklungen, bei denen auch gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden und sich auch die Politik mit Lösungen beschäftigt. Das finde ich übrigens großartig. Und ein Opfer eines Shitstorms hat ihre Sicht beschrieben, eine berührende, herzzerreißende Rede: https://gregorkrenker.com/2016/11/16/digitalecourage-zivilcourage-im-web/

    Ich hoffe, dir geht es mittlerweile besser damit! Würde mich interessieren, was sich seitdem getan hat!

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