Zweitausend Mal geknipst

Hach Smartphones, ihr treuen Begleiter, was wären wir nur ohne euch? Ihr dient als Notizbuch, Wecker und Kalender, Adressbuch, Fotoalbum und Plattensammlung; Ja sogar als Taschenlampe und Wasserwaage kann man euch verwenden! (I shit you not, es gibt tatsächlich Wasserwaagen-Apps!) Achja und telefonieren kann man mit euch ja auch noch.

Als mein bisher sehr geschätztes Nexus 4 neulich erste Alterserscheinungen in Form von Aussetzern zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt zeigte, blieb mir nichts anderes übrig, als all die Daten und Kontakte zu sichern und das Handy zurückzusetzen. Jetzt läuft es wieder wie geschmiert, und was bleibt auf meiner Festplatte? Ein Ordner mit sage und schreibe über 2000 Fotos, die sich in den letzten anderthalb Jahren angesammelt haben.

Wenn mich jemand gefragt hätte, wie viele Fotos ich wohl so auf meinem Handy habe, hätte ich sicher mit „ein paar Hundert“ geantwortet. Mit dieser Menge hatte ich nicht gerechnet. Ich muss dazu sagen, dass nicht alle selbst geschossen sind; einige wurden mir per WhatsApp geschickt oder heruntergeladen. Dennoch haben von den vielen Schnappschüssen nur wenige das Licht der Welt des Internets gesehen und wurden weitergeschickt oder auf Instagram veröffentlicht.

Jetzt sitze ich hier mit diesen 2000 Fotos und bin ein bisschen überfordert. Soll ich alle nochmal durchschauen und die schönsten Fotos, die besten Erinnerungen aus den verwackelten oder spontanen Schnappschüssen herausfiltern? Vielleicht ein andern Mal.

Seit ein paar Wochen besitze ich eine analoge Spiegelreflexkamera. Ein echtes, altes Schätzchen, das mir mein Papa zum Geburtstag vererbt hat. Die analoge Fotografie zwingt einen viel mehr, sich mit dem Bild im Sucher auseinanderzusetzen, bevor man den Auslöser drückt. Dreißig-Fotos-aus-verschiedenen-Perspektiven-machen-und-dann-das-schönste-auswählen ist halt nicht drin, wenn die Filmrolle nur 24 Fotos liefert. (Und das Entwickeln Geld kostet…)

2702_fossilien
Die Kamera, die Fotografin und ein Fossil (WTF?)

Was ich ebenfalls an analogen Fotos schätze, ist der fehlende Druck zur Perfektion. Ein digitales Foto lass ich prinzipiell durch ein Bildbearbeitungsprogramm rattern, denn: irgendwas kann man ja immer optimieren, gell? Ein entwickeltes Bild hingegen fühlt sich für mich irgendwie schon „fertig“ an, auch und gerade weil es Fehler hat.

Natürlich ist es irgendwie paradox, ein analoges Unikat wieder zu digitalisieren.. Aber nunja- sonst könnte ich euch die Fotos ja nicht zeigen :) Ich freue mich sehr auf ein Projekt nächstes Semester, bei dem wir gemeinsam mit einem Fotokünstler aus Bremen auch selber analog fotografieren und entwickeln werden.

Pelzmantel
Pelzmantel vor der Unibib. Wer mag den Kontrast noch?

Woran ich noch arbeiten muss: Die Finger vom Wahlrad zu lassen und ausschließlich im M-Modus zu fotografieren. Ich geh halt manchmal lieber auf Nummer sicher und fotografier mit „P“, statt meiner Intuition zu vertrauen und alles selbst einzustellen. Aber das kommt sicher mit der Zeit, oder?

[green_box]Wer von euch fotografiert analog? Ich möchte eure Bilder sehen! Schickt mir eure Links :)[/green_box]

   2702_buecher  2702_gasse

2702_street_art_starwars

2702_schloesser

2702_tuebingen_hoelderlinturm

5 Kommentare

  1. Tolle Bilder! Und das kommt mir so bekannt vor… Ich sollte auch mal wieder Bilder löschen, aber das schnelle Knipsen mit den Handy und für Instagram finde ich total entspannend und praktisch, weil ich einfach so ein Erinnerungsmensch bin. Und manche Dinge lassen sich damit eben einfach unkomplizierter festhalten als analog. Dennoch hab ich ein Herzchen fürs Analoge, wobei… eher für das analoge Experimentieren. Für die perfekten Aufnahmen habe ich meinen Freund, ich knipse, nutze Filter oder grundsätzlich verrückte Kameras. Ab und an gibt es die Lomoliebe-Ergebnisse auch auf meinem Blog zu sehen… :) Liebe Grüße, Lisa

    Antworten

  2. ich hab noch nie analog fotografiert – finde es aber wirklich schön. Bisher muss ich aber sagen, dass ich dazu auch wenig vorwissen habe und erst so langsam da reinkomme (durch bekannte :) ) – heute war ich mit einem fotografen unterwegs, der ausschließlich analog fotografiert hat und es war eine ganz andere, aber schöne erfahrung. Wie du sagst – man ist eben gezwungen darüber nachzudenken, was man für ein foto macht und knippst nicht einfach nur wild drauf los :D

    du hattest in der lounge ja nach links gefragt:
    http://www.julienkinnart.de/
    https://www.facebook.com/julienkinnartphotography

    Er macht ausschließlich analog fotos =)

    Antworten

  3. Ah, ich war gerade kurz total „schockiert“ von dem Unibib-Bild, dann fiel mir ein, dass ich ja eigentlich schon wusste, dass du in Tübingen studierst, weil du kürzlich auf Facebook einen Post von mir kommentiert hast. Lustig! Die Schlösser an der Neckarbrücke finde ich übrigens etwas lächerlich – die macht man an Querstreben bzw Maschendraht, nicht an so ein Geländer, wie sieht das denn aus da unten… Jetzt fehlt mir nur noch ein Bild eines „Esst mehr Vegetarier“ Schriftzugs oder irgendwas gegen Palmer, hihi.
    Meine Handykamera ersetzt zurzeit eigentlich fast meine DSLR – klar, für den Blog fotografiere ich schon mit der Spiegelreflex wenn ich zuhause Fotos mache, aber ich reise in 2 Wochen für 4-5 Tage nur mit Handgepäck nach Dublin und überlege mir ernsthaft, die DSLR auch da zuhause zu lassen, weil sie einfach zu schwer ist und der fotografische Mehrwert zum iPhone zumindest bei Tageslicht dieses Manko kaum ausgleichen kann…irgendwann will ich eine gute Systemkamera, die ich dann auch wirklich wieder öfter mit“schleppe“ (sind ja deutlich kleiner und leichter), aber so lange muss das iPhone wohl immer mehr ersetzen.
    Liebe Grüße!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.