Ein Leben ohne Sand ist eine Illusion

oder: willkommen an der Atlantikküste

Ich packe hektisch noch ein paar Dinge in meine Tasche, gehe die Liste und meine mentalen Notizzettel durch. Hab ich alles? Können wir jetzt los?
"Wir haben übrigens doch noch einen Mitfahrer" sagt mein Freund und grinst verschmitzt.

Verwirrt schaue ich ihn an – "wen?" Zwei Freunde von ihm hatten überlegt, mitzufahren, doch ein vergessener Termin kam ihnen in die Quere. Um ehrlich zu sein bin ich recht froh, zu viert mit einer Menge Gepäck würden die über 1000 Kilometer nach Südfrankreich in seinem Wagen sicher kein Vergnügen. Außerdem stellte ich mir die Fahrt insgeheim als romantischen Roadtrip vor – nur wir beide, quer durch Frankreich.
Als ich etwas später meinen Krempel ins Auto lud und mich auf den Beifahrersitz setzte, hatte ich seine Ankündigung schon wieder vergessen. "Vorsicht!" – er deutet auf die Mittelkonsole und ich muss anfangen zu lachen. Unser Mitfahrer ist ein Topf Minze.

"Die Minze? Warum hast du sie mitgenommen?" "Naja ich wollte nicht, dass extra jemand in meine Wohnung kommen muss, um sie zu gießen. Die Pflanzen im Wohnzimmer überleben zwei Wochen ja locker. Und außerdem will die Minze auch mal das Meer sehen."

Nun gut. Fahren wir also los. Zwei Menschen, viel Gepäck, eine Minze.

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Die Fahrt ist nicht halb so romantisch wie angenommen. Wir besorgen Proviant beim Rewe und fahren gegen 23 Uhr los. Bis 3 läuft alles super. Er fährt, ich lese die Karte, wir quatschen, ich reiche ihm mit Liebe (und Käse) belegte Brötchen. Dann nicke ich weg, immer wieder, für ein paar Minuten und wache mit einem schlechten Gewissen auf – schließlich konnte ich mich entspannen, während er auf die Straße zu achten hatte.
Ein paar Stunden später ist die Sonne bereits aufgegangen, wir halten an einem französischen Rastplatz und machen ein Nickerchen. Nun bin ich an der Reihe – um ehrlich zu sein, bin ich ganz schön nervös. Ich bin schon lange nicht mehr Auto gefahren und erst recht nicht auf der Bahn. Aber es klappt. Ob mein Freund eingeschlafen ist oder nur aus Angst vor meinem Fahrstil die Augen geschlossen hat, weiß ich nicht. Ein Stau vor Bordeaux, dann noch über eine Stunde parallel zur Küste südlich und endlich sind wir in St Girons angekommen.
Die Ortschaft besteht aus ein paar Häusern und zwei riesigen Campingplätzen. Auf einem von diesen befindet sich das Surfcamp, in dem wir die nächsten zwei Wochen verbringen.

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Zwei Wochen ohne Internet und fließendes Wasser, dafür mit einer Hängematte und dem Atlantik nur eine Düne entfernt. Das ist doch mal was.
Achja, und da ist noch etwas: Sand. Überall. "Mal keinen Sand an den Füßen zu haben ist eine Illusion, oder?" "Ein Leben ohne Sand ist eine Illusion."

Ich berichte euch, was in den nächsten 1 1/2 Wochen im Surfcamp passiert. Der Sand wird mir wohl noch länger erhalten bleiben.

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