Wie ich auszog, das Programmieren zu lernen

“Wenn ich Mathe könnte, würde ich BWL studieren” pflegte ich in den letzten Jahren zu sagen. Halb selbstironisch über mein vermeintlich brotloses geisteswissenschaftliches Studium, halb ernst gemeint und voller Bewunderung für meine mathebegabte Schulfreundin, die nach dem Abi von nichts sehnlicher träumte als einem dualen Studium beim Finanzamt im Bereich Steuern. Steuern! Ugh.

Mittweile hat sich das ein bisschen verschoben – wenn ich Mathe könnte, würde ich Informatik studieren. Coole Apps, Webseiten und Software entwickeln, intelligente Kühlschränke und Mikrowellen vernetzen, Pflegeroboter bauen oder das nächste hippe Startup gründen.

Eigentlich würde es mir ja schon reichen, ein paar Basics zu können. Zum Beispiel würde ich gerne WordPress-Fehlermeldungen verstehen (und beheben) können, ohne dauernd den IT-Kollegen rufen zu müssen. Ein bisschen HTML hab ich mir damals schon beigebracht, aber da hört es dann schon auf…

Doch wo lernt man sowas? Ideal sind natürlich Praktika oder Kurse. Man könnte sich auch ein Buch besorgen und alleine vor sich hin am Schreibtisch lernen… Um ehrlich zu sein, war meine Motivation dann auch nicht wieder sooo groß.

logo_blue_darkNeulich bin ich irgendwo in den Tiefen des Internets über Codecademy gestolpert, eine Plattform, die es jedem ermöglichen will, kostenlos “coden” zu lernen. [Ich möchte ehrlich gesagt an dieser Stelle nicht groß die Gründungsgeschichte und Motivation hinter dem Projekt wiederkäuen – steht ja alles auf der Webseite. Nur kurz: Ja, es ist wirklich kostenlos und ich find’s cool!]

Auf Codecademy kann man verschiedene Skills, also Fähigkeiten lernen: Es gibt drei Kurse aus dem Bereich Webentwicklung (Make a Website, Make an Interactive Website & Make a Rails App), sechs Programmiersprachen (HTML/CSS, JavaScript, JQuery, PHP, Python & Ruby) sowie diverse APIs. Für Anfänger gibt es drei kleine Projekte, “Goals” genannt, die in 30 Minuten absolviert werden können und wohl einen Vorgeschmack geben und die Motivation wecken sollen.

Wer mit Codecademy programmieren lernen will, kann sofort loslegen! Man muss keine Software herunterladen oder auf Anmeldefristen wie bei diversen MOOCs (Massive Open Online Course) warten. Man legt ein Benutzerkonto an und kann direkt im Browser die Kurse starten. Es liegt an einem selbst, womit man anfangen will. Für Beginner bieten sich natürlich die Goals an, aber wenn man schon einiges beherrscht, spricht nichts dagegen, mittendrin anzufangen.

Das Codecademy-Fenster ist in drei Teile aufgebaut: Links wird das neue Thema eingeführt und erklärt. In der Instructions-Liste darunter steht dann genau, welche Schritte man in dieser Übung machen soll. Das Anspruchsniveau steigert sich dabei. Am Anfang muss man oft nur eine Zahl oder ein Wort ersetzen, später steht dort nur noch “Füge ein Bild ein, das zur Seite XY verlinkt” o.ä. und wie genau man ein Bild und einen Link einfügt, weiß man dann schon. In der Mitte befindet sich ein Editor, mit dem man die index.html bzw. die stylesheet.css-Dateien bearbeiten kann. Im Vorschaufenster rechts sieht man dann direkt das Ergebnis, ohne dauernd speichern oder neu laden zu müssen.

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Wenn man nicht weiter weiß, kann man einen Hint (Hinweis) öffnen, zu den vorherigen Lektionen zurückgehen, das Glossary (Glossar) ansehen oder zum Forum wechseln. Für jede Lektion gibt es ein Unterforum, in dem man nach Lösungen für sein Problem suchen oder selbst einen Thread erstellen kann. Als ich bei einer Aufgabe partout nicht weiterkam und den Fehler nicht fand, habe ich nach einer kurzen Suche im Forum festgestellt, dass es einen bekannten Bug mit Firefox bei dieser Lektion gibt. Also kurz zu Chrome gewechselt und schon gings weiter. Ansonsten gab es mit Firefox keine Probleme.

Ich habe die drei 30-Minuten-Goals direkt an dem Abend, an dem ich mich bei Codecademy registriert habe, durchgeklickt. Am nächsten Tag habe ich den ersten großen Language Skill, HTML & CSS, gestartet. Der Zeitaufwand dafür wird auf 7 Stunden geschätzt. Die auf einen Schlag durchzuarbeiten wäre wohl etwas krass! Zum Glück kann man jederzeit Pausen machen und später (oder an einem anderen Tag) wieder bei der aktuellen Lektion einsteigen. Im Anschluss an HTML & CSS habe ich den ersten Web Developement Skill (Make a Website) angefangen und auch schon beendet. In diesem Skill baut man ganz praktisch und Schritt für Schritt eine Webseite (die von AirBnB) nach. Dabei wird man natürlich stark an die Hand genommen und geleitet. Es geht in diesem Kurs mehr ums Nachbauen als ums selber Entwickeln.

Während des zweiten Kurses war ich ein wenig verwirrt: War das die richtige Reihenfolge? Die Inhalte haben sich definitiv überschnitten. Der Language Skill war inhaltlich tiefer, hat jedoch immer mit anderen Beispielen gearbeitet. Der Web Developement Skill hat ein konstantes Beispiel benutzt, doch dafür wurden neue Arbeitsschritte ziemlich flott eingeführt. Im Endeffekt ist es sicher gut, beide zu machen. Die Webseite ist manchmal ein wenig unübersichtlich.

Ich muss sagen, dass die Codecademy-Lektionen wirklich viel Spaß gemacht haben! Die Texte und Aufgaben sind sehr humorvoll geschrieben, so dass das Lernen zu keinem Zeitpunkt trocken oder langweilig wurde. Man hat gerade im Language Skill HTML & CSS sehr viele Freiheiten, die Übungen persönlich zu gestalten. So wird nicht vorgegeben “Ändere die Hintergrundfarbe zu dunkelblau!”, sondern “Ändere die Hintergrundfarbe zu einer Farbe, die dir gefällt”. Der Lehrstil ist vor allem am Anfang sehr induktiv ausgerichtet, was natürlich Geschmackssache ist.

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Zurzeit sind alle Lektionen auf Englisch, was für die ein oder andere Person vielleicht ein Hindernis ist. Ich meine aber gelesen zu haben, dass an Übersetzungen, u.a. ins Deutsche, bereits gearbeitet wird. Auf der persönlichen Startseite wird pro angefangenem Kurs der Fortschritt in Form eines Balkens angezeigt und man bekommt Badges für erreichte Erfolge und bestandene Kursabschnitte. Eine nette Spielerei. Was mich etwas genervt hat sind die vielen E-Mails alá “Toll, dass du diesen Kurs abgeschlossen hast!”, aber die kann man abbestellen.

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  • Im Browser, man muss nichts runterladen
  • Kostenlose und schnelle Anmeldung
  • Macht Spaß, witzige Texte und Aufgaben
  • Flexibel (Reihenfolge der Kurse, Pausen)
  • Forum für Hilfe
 no
  • Nur auf Englisch
  • Webseite etwas unübersichtlich (Reihenfolge, Profil)
  • Nervige Mails
  • Kontaktmöglichkeiten versteckt
  • Didaktik ist Geschmackssache

Bisher habe ich zwei Skills beendet. Als nächstes widme ich mich wohl JavaScript, jQuery und anschließend „Make an Interactive Website“. Auch wenn die Badges zum Make a Website-Skill in meinem Profil kleben, würde ich mich definitiv nicht als CSS-Profi oder Programmiererin betiteln! (HTML ist ja nichtmal eine Programmiersprache, oder?) Es sollte jedem klar sein, dass mich ein 7-Stunden-Kurs nicht zur kompetenten Webentwicklerin ausbildet. Aber für einen Überblick und die Basics, zum Beispiel ein Element in einem bestehenden Code zu ändern, reicht es bestimmt.

Ich hab keine Ahnung, wie es bei Personalern ankommen würde, bei Codecademy erworbene Fähigkeiten im Lebenslauf aufzuführen. Finden die das wohl cool, wenn man sich in seiner Freizeit weiterbildet, oder brechen sie in schallendes Gelächter aus?

Neulich wollte ich ein paar Kleinigkeiten in einem WordPress-Theme anpassen. Und, ta-da, ich habe es alleine hingekriegt! Ich habe ein Child Theme erstellt und in der style.css Farben, Größen und Schriftarten geändert. Für viele Leute sind das wahrscheinlich Peanuts, aber ich finde es großartig, unabhängig zu sein. Ein anderes Problem habe ich noch nicht gelöst.  Dafür brauche ich PHP. Aber auch dafür gibt es bei Codecademy einen Kurs.

Titelbild: Daniela Uhlrich via Jugendfotos.de CC BY 2.0, edited; Codecademy logo via press kit

12 Kommentare

  1. Oh toll! Danke für den Tipp, das ist super. CSS und HTML hab ich inzwischen gut drauf, aber von Javascript oder PHP hab ich noch keinen Plan, das schau ich mir mal an :)

    Liebe Grüße ♥

  2. Codecadamy ist super! Ich mag die Seite auch total gerne :) Weiter lernen kannst du auch klasse über https://www.khanacademy.org/computing/computer-programming – sich dort einen Account anzulegen ist ebenfalls kostenlos. Da geht es dann mehr darum, wie man Abläufe animiert und kleine Spiele programmiert. Allgemein eine super Seite – ich finde es klasse, dass man so viel kostenlos und online lernen kann! Viel Spaß dir beim Programmieren :)

  3. Also ich mache gerade eine Ausbildung in dem Bereich und komme mit PHP noch nicht ganz so gut klar. Deswegen vielen Dank für den Tipp. Ich werde mich auf der Webside mal umgucken. :)!

  4. In der Uni hatte ich einen HTML Kurs und musste dazu einen Test schreiben. Vor keinem anderen Kurs hatte ich so viel Bammel und habe gerade soooooo bestanden. In Mathe war ich auch nie wirklich gut.

    Wenn ich mich jetzt an den Code setze, dann ist das eher Try & Error.

    Yvonne

  5. Bei der Codecademy habe ich anfangs auch ein paar Kurse gemacht, bevor es irgendwie im Sande verlaufen ist… Aber eigentlich ist es eine super Möglichkeit, die Grundfertigkeiten zu lernen!
    Hier in Leipzig gibt es die Code Girls, die von einer befreundeten Bloggerin ins Leben gerufen wurden. Die treffen sich alle zwei Wochen und lernen entweder etwas Neues, oder arbeiten an ihren Blogs. Da wollte ich auch schon längst mal hin ;)
    Vielleicht gibt es das ja bei dir auch! (http://codegirls.de/)

  6. Ich hab das über das gute alte Copy+Paste gelernt :D
    Meine Schwester hatte sich das irgendwie beigebracht und ich kupferte es ab, mit der Zeit wurde ich aktueller was man wo bei WordPress findet :D

  7. Ich hatte Informatik-Leistungskurs in der Schule und konnte leider erst in der Abiklausur richtig programmieren (aber besser spät als nie, pflege ich zu sagen!) Aber Mathe konnte ich schon immer, einerseits haben mir alle gesagt, ich sollte etwas mit meinem Können anfangen, aber mein Herz schlug schon immer für die Medien. Vielleicht hätte ich mich ja für Medieninformatik entscheiden sollen, denn mein Studiengang ist auch ziemlich schwammig (Intermedia heißt er) und bietet wohl schlechtere Zukunftschancen als ein technisches Studiengang, aber das Herz zählt nun mal mehr :)

  8. toller Bericht , auch wenn ich mir trotz englisch kenntnissen, bin dolmetscherin, sowas doch lieber auf deutsch wünschte…lg annett

  9. Hi!

    Spannend, was du schreibst. Ich hatte auch schonmal über CodeAcademy nachgedacht. Hab mich dann aber schlussendlich entschieden bei Coursera einen Kurs zu machen. Kennst du das? Ich habe bisher erst zwei Module gemacht und bei denen fand ich die Didaktik auch eher mittelmäßig. Die Inhalte sind aber spannend und Zertifikate von Unis gibt es sogar auch.

    Und dann gibt es ja noch uDemy. Da ist – glaube ich – die Qualität ziemlich schwankend, aber man kann interessante Dinge lernen.

    Wie hast du denn weitergemacht Programmieren zu lernen? Bist du noch bei CodeAcademy geblieben?

    1. Hi FragenFrager, puh, ich hab noch einen weiteren Kurs dort angefangen, aber nicht abgeschlossen. Die Uni-Projekte etc waren mir dann wichtiger. Das Prinzip von Online-Kursen finde ich aber nach wie vor sehr spannend und möchte das mal irgendwann weitermachen. Was für Kurse hast du denn belegt? Viele Grüße, Kato

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